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Kurler ImkerInnen lassen ein altes Handwerk wieder aufleben und flechten in Dortmund Bienenkörbe für ihre Völker

In der alten Greveler Schule war es warm, es gab viel Platz und aufgeräumt werden musste er am Schluss des Seminars.

In der Greveler Schule war es warm, es gab viel Platz und aufgeräumt werden musste er am Schluss des Seminars.

Von Susanne Schulte

Geschäftige Stille herrscht an diesem Samstagmittag im Klassenraum der ehemaligen Greveler Grundschule. Mitgleider des Imkervereins Husen-Kurl sitzen zwischen Strohbüscheln, die Köpfe gebeugt über ihren Werkstücken, die langsam Form annehmen. Sie machen Bienenkörbe. Und sie machen das, wie es ihre Imkerkollegen vor 200 Jahren auch schon gemacht haben: In Handarbeit und mit dem, was zur Hand war und ist. Die Werkzeuge sind wenige und einfache – ein Stecheisen und ein Schraubenzieher, das Material ist das Roggenstroh.  „Mir macht das richtig Spaß. Obwohl ich gedacht haben, dass das schneller geht“, sagt Rita Breker-Kremer.

Wochenendseminar in der alten Greveler Grundschule – Geschäftige Stille zwischen Strohbüscheln

2017.11.19 Dortmund Bienkorb bauenManfred Süssen, der Fachmann in Sachen Lüneburger Stülper und Weißenseifener Hängekorb, wie die Bienenunterkünfte heißen, ist optimistisch, dass am Sonntagabend einige fertig sind. Er ist aus Aurich angereist, weil die Husen-Kurler ImkerInnen ihn gebeten hatten, ihnen das Handwerk beizubringen.

Er imkert seit 40 Jahren, hat vor mehr als 20 Jahren mit dem Stülper angefangen. Als Mitglied im Verein „De Immen“, der sich der den Bienen wesensgemäßen Imkerei verschrieben hat, unterrichtet er gerne in Sachen Korbbau. Denn das Leben im Korb kommt den Bienen mehr gelegen als den Imkern. Die heute geläufige Haltung in den eckigen Bienenstöcken mit den Rahmen macht es den Imkern leichter an den Honig zu kommen als im Bienenkorb.

Auch wenn die an diesem Wochenende handarbeitenden ImkerInnen nicht komplett auf Bienenkörbe umsteigen wollen, sind sie doch sehr daran interessiert, es den Tieren so nett wie möglich machen.

Der Champagnerroggen wurde extra angebaut, dabei hätte es normales Roggenstroh auch getan 

Gärtnerin und Imkerin Rita Breker-Kremer hatte nicht gedacht, dass es so lange dauert, einen Bienenkorb zu machen.

Imkerin Rita Breker-Kremer hatte nicht gedacht, dass es so lange dauert, einen Bienenkorb zu machen.

Die Vorbereitungen für dieses Seminar begannen schon mit der Aussaat des Champagnerroggens. Ein anderer Imker hatte Rita Breker-Kremer, die Leiterin der Werkhof-Gärtnerei gefragt, ob sie ihm nicht Champagnerroggensamen besorgen könne.

Sie konnte, mit ihren guten Beziehungen zur Landwirtschaftskammer in Münster. Und sie nahm die Idee gleich auf, besprach sich mit den anderen Mitgliedern in ihrem Verein, ob sie nicht auch diesen Roggen anbauen sollten, um das Material für die Bienenkörbe zu bekommen. Die fanden den Vorschlag gut, der Roggen wurde angebaut, geerntet und nun das Stroh verarbeitet.

Dabei hätte es nicht Champagnerroggen sein müssen, wie sie am Wochenende von Manfred Süssen erfuhren. Normales Roggenstroh hätte es auch getan.

Vergessene Ähren müssen abgeknipst werden: „Sonst kommen später die Mäuse“

Jeder werkelte still vor sich hin. Auch der 2. Vorsitzende Siegfried Rinke.

Jeder werkelte still an seinem Bienenkorb vor sich hin – auch der 2. Vorsitzende Siegfried Rinke.

Ein Bündel Stroh wird ein wenig gedreht und dadurch geschmeidig gemacht, durch einen Führungstrichter geschoben und mit einem Bambusband umwickelt. „Der Trichter muss immer gleichmäßig voll sein, damit die Wand nicht unterschiedlich dick wird“, erzählt Siegfried Rinke, der 2. Vorsitzende des Vereins, und zeigt, was er gelernt hat.

Wie eine Spirale wächst erst das Kopfende, dann geht es gleichmäßig nach unten weiter. „Der Anfang ist das Schwierigste“, sagt Jörg Krafft, der Vorsitzende der Husen-Kurler Imker. „Ja, da muss man sich auch viel Mühe geben“, stimmt Süssen zu. Geredet wird nicht viel. Alle sind konzentriert an der Arbeit. Ab und zu kneift jemand eine vergessene Ähre ab. „Damit später nicht die Mäuse kommen“, so Rinke.

Aufgeräumt und gefegt werden muss erst am Sonntagabend. Der Werkhof, der die untere Etage der Schule gemietet hat, stellte den Imkern den Klassenraum zur Verfügung. „Hier ist es warm und wir haben genug Platz. In der Gärtnerei wäre es jetzt zu kalt.“ Und eine Küche ist gleich nebenan. Dort gart der Grünkohl, den es heute zum Mittagessen gibt.

Im kommenden Frühjahr stellen die ImkerInnen ihre Arbeit auf der Zeche Zollern öffentlich vor

2017.11.19 Dortmund Bienkorb bauenIst der Lüneburger Stülper gut 200 Jahre als Bienenkorb in Betrieb, kennt man den Weißenseifener Hängekorb erst seit den 1980er Jahren. Er wurde von Günther Mancke entwickelt, im Eifeler Künstlerort Weißenseifen. Seine Form orientiert sich an der natürlichen Lebensweise des Bienenvolks, das sich wie in hängenden Ketten in der Gemeinschaft einrichtet.

So werden in den Korb, der um einen Rahmen geflochtet wird, lediglich halbrunde, flache Holzstäbe eingesetzt, von denen aus die Bienen ihre Waben bauen. Er ist aufwendiger zu bauen als der Stülper. Dennoch haben sich die meisten ImkerInnen aus Husen-Kurl für diesen Modell entschieden. Paul Scheer, der jüngste in der Runde, arbeitet am Stülper.

Der Junge kann es gelassen angehen. Er muss nicht fertig werden, darf es nicht, wie er betont. Denn im kommenden Jahr wollen die ImkerInnen auf der Zeche Zollern öffentlich ihr Hobby vorstellen. Und Paul soll anderen Kindern zeigen, wie man einen Korb macht.

Gruppenbild: (v.l.) Manfred Süssen, Achim Scheer, Antje Janetta, Annette Höhne, Siegfried Rinke und vor ihm Paul Scheer, Jörg Krafft und Stefan Zellmer.

Gruppenbild: (v.l.) Manfred Süssen, Achim Scheer, Antje Janetta, Annette Höhne, Siegfried Rinke und vor ihm Paul Scheer, Jörg Krafft und Stefan Zellmer.

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