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Jubiläum: Die erste deutsche Schülergruppe von Amnesty International wurde vor 50 Jahren in der Nordstadt gegründet

Ein Gedenkstein und ein Apfelbaum erinnern an den Meilenstein in der Entwicklung von Amnesty.

Ein Gedenkstein und ein Apfelbaum erinnern an den Meilenstein in der Entwicklung von Amnesty.

Mit einem Gedenkstein und einem Apfelbaum erinnert Amnesty International (ai) an die Gründung der ersten Schülergruppe des Landes vor 50 Jahren. Im Helmholtz-Gymnasium in der Nordstadt wurde sie – initiiert von Lehrer Dr. Gerhard Niemöller – 1966 ins Leben gerufen.

Gedenkstein für die Schülergruppe steht in Hörde und nicht in der Nordstadt

Gruppensprecherin Linda Schmidt hat die Chronik zum Jubiläum erstellt.

Gruppensprecherin Linda Schmidt hat die Chronik zum Jubiläum erstellt. Fotos: Alex Völkel

An der Feierstunde konnte der Pädagoge nicht mehr teilnehmen – er starb 2008. Doch seine Witwe Isa und der erste Sprecher der Schülergruppe, Friedhelm Quade, nahmen an der Feierstunde wie viele andere Menschen teil.

Allerdings ist der markante Stein nicht in der Nordstadt, sondern in Hörde zu sehen. Das hat mit der prominenten Platzierung zu tun. Sie hätten zwar auch in der Nordstadt einen Platz bekommen können.

„Doch das wäre dann ein schöner Spaziergang gewesen, weil der Platz sehr weit ab gewesen wäre“, berichtet Linda Schmidt. Die Sprecherin der Dortmunder Gruppe hat auch die Jubiläums-Chronik erstellt.

Daher ist der Stein nun an prominenter Stelle in Hörde zu sehen. Er erinnert an die wichtige Arbeit, die seit mehr als einem halben Jahrhundert in Dortmund geleistet wurde. Bereits 1964 gründete Karl-Heinz Kammertöns in der Nordstadt eine Lehrergruppe am Helmholtz-Gymnasium.Seit 1961 gibt es die als Gefangenenhilfe gegründete Organisation.

Weltweit engagieren sich Schüler, Jugendliche und Studierende

„Es ist schlichtweg falsch, dass sich Jugendliche nicht für Menschenrechte interessieren, sagte ai-Bundesvorstandsmitglied Jessica Böhner. „Viele Aktive sind als Schülerinnen und Schüler zu Amnesty gestoßen und seit Jahrzehnten dabei.“ Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gebe es viele Schüler-, Jugend- und Studierendengruppen.

„Ich bitte Sie, den Glauben an eine gerechtere Welt nicht zu verlieren. Sie ist möglich und machbar“, sagte Bezirkssprecher Martin Krüger.

„Ich bitte Sie, den Glauben an eine gerechtere Welt nicht zu verlieren. Sie ist möglich und machbar“, sagte Bezirkssprecher Martin Krüger.

Das Ai-Vorstandsmitglied lobte die Dortmunder Initiative. Dort habe man sehr früh begriffen, dass Bildungseinrichtungen nicht nur Werte lehren, sondern sondern vorleben müssten.

Daran knüpfte auch Bezirkssprecher Martin Krüger an: „Wir feiern und heute ein bisschen selbst. Die Gründung der Schülergruppe war ein Meilenstein in unserer eigenen Entwicklung.“

Damals wie heute setzten sich die Aktiven für die Freilassung von politischen Gefangenen, faire Prozesse und die Abschaffung der Todesstrafe ein. „Ich bitte Sie, den Glauben an eine gerechtere Welt nicht zu verlieren. Sie ist möglich und machbar“, sagte Krüger.

Damit sprach er wohl auch Friedhelm Quade aus der Seele. Der pensionierte Pfarrer wurde im Jahr der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte geboren. Er erinnerte daran, dass diese Grundrechte schon viel früher formuliert wurden und gerade in Zeiten des Krieges massiv missachtet würden.

Appell des ersten Schülergruppensprechers für mehr Menschenrechtsarbeit in Schulen

Friedhelm Quade und Isa Niemöller vor dem Gedenkstein. Fotos: Alex Völkel

Friedhelm Quade und Isa Niemöller.

Quade erinnerte an die Anfänge der Schülerarbeit in Dortmund, wo die Gruppe noch ganz direkt mit den Gefangenen und ihren Freunden und Familien zu tun hatten. Er denkt gerne an seinen früheren Lehrer zurück, der sie alle zur Mitarbeit motiviert habe.

Auch heute seien die Möglichkeiten der Menschenrechtsarbeit für Schulen nicht zu unterschätzen. Denn sie böten hervorragende fächerübergreifende Projektmöglichkeiten. Denn nicht  nur Sprachkenntnisse, sondern auch Politik, Erdkunde und Kunst seien bei der Arbeit und den Aktionen gefragt gewesen.

„Das sollten wir stärken“, appellierte Quade zur Intensivierung der Schülergruppen-Arbeit, die jedoch stark unter der Einführung des sogenannten Turbo-Abis gelitten hat.

So arbeitet Amnesty International

  • Die Stärke von Amnesty International liegt im freiwilligen Engagement seiner zahlreichen Mitglieder, Unterstützerinnen und Unterstützer unterschiedlicher Nationalitäten, Kulturen und Altersgruppen. Es gibt drei Millionen Mitglieder in 150 Ländern. Sie sind miteinander verbunden, um lokal wie global ihre Ziele zu erreichen. Gemeinsam setzen sie Mut, Kraft und Fantasie ein für eine Welt ohne Menschenrechtsverletzungen.
  • Die Aktionen werden möglich durch ein Netzwerk von Amnesty-Expertinnen und -Experten zu verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Themen sowie ihren Kontakten zu Opfern von Menschenrechtsverletzungen und ihren Angehörigen, zu Ärztinnen und Ärzten, Anwältinnen und Anwälten, Journalistinnen und Journalisten – rund um den Globus.
  • Mit „Urgent Actions“ (Eilaktionen), Briefen, Appellen, Pressearbeit, öffentlichkeitswirksamen Aktionen sowie Lobbyarbeit gegenüber Regierungen, Institutionen und Wirtschaftsunternehmen macht Amnesty International Druck für eine gerechtere Welt. Durch unsere Arbeit wollen wir Verzweiflung in Hoffnung und Mitgefühl in Handeln umwandeln. Jeder Mensch kann etwas tun und Veränderung bewirken.
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