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Jahrestag: Nach fünf Jahren stehen die Menschen in Fukushima noch immer vor riesigen Umwelt- und Gesundheitsproblemen

Die kontaminierte Erde steht in Säcken in der Landschaft. Eine Entsorgung gibt es nicht.

Die kontaminierte Erde steht in Säcken in der Landschaft. Eine Entsorgung gibt es nicht. Fotos: privat

Von Mariana Bittermann

Am heutigen 11. März jährt sich nun schon zum fünften Mal die Atomkatastrophe in Fukushima. Gerade jetzt sei es wichtig zu helfen, erklärt Yoko Schlütermann, Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft der Auslandsgesellschaft NRW.

Weiterhin große Probleme auch im Jahr 5 der dreifachen Katastrophe

Deutsch - Japanische Gesellschaft, Yoko und Horst Schlütermann. AGNRW

Yoko Schlütermann

Auch fünf Jahre nach der dreifachen Katastrophe hat sich die Lage in Fukushima nicht zum Guten gewendet. Für 20.000 Tonnen hochradioaktive abgebrannte Brennelemente und 22 Millionen Tonnen kontaminierte Erde, Asche von verbrannten radioaktiven Pflanzen und Schlamm aus den Gewässern fehlt ein Lagerplatz.

Auch die Anzahl an durch Radioaktivität verursachten Krankheiten ist gestiegen. Durchschnittlich erkrankt eins unter eine Millionen Kindern an Schilddrüsenkrebs. In Fukushima sind innerhalb der letzten fünf Jahre insgesamt 167 Kinder erkrankt. Die Tendenz ist steigend.

Trotzdem plant die japanische Regierung, dass ab dem 1. April Bewohner wieder in die die evakuierten Gebiete bis auf die Sperrbezirke zurückkehren. Yoko Schlütermann war im November letzten Jahres nun zum dritten Mal vor Ort und hat sich die Situation dort genauer angesehen.

Kontaminierte Müllsäcke stehen „einfach so herum“ – Kinder können nicht draußen spielen

Die kontaminierte Erde steht in Säcken in der Landschaft. Eine Entsorgung gibt es nicht.

Die kontaminierte Erde steht in Säcken in der Landschaft. Eine Entsorgung gibt es nicht.

„Die Regierung hat das Gebiet um die Wohnbezirke herum dekontaminiert“, erklärt sie. „Das bedeutet aber lediglich, dass sie Erde ausgegraben und in Müllsäcke gesteckt haben. Diese Säcke stehen jetzt überall einfach so herum.“

Allerdings besteht das Gebiet um Fukushima zu etwa 70 Prozent aus Waldgebiet und hat etwa die Größe von Schleswig-Holstein. „Da ist es unmöglich, die gesamte Fläche zu dekontaminieren. Nur um die Siedlungen herum wird die Erde abgetragen – und nach dem nächsten Regen ist der Boden wieder verseucht“, kritisiert Schlütermann.
Das habe zur Folge, dass in den bewohnten Gebieten in Fukushima die Übergewichtsrate unter Kindern sehr hoch ist, da Eltern besorgt sind, dass ihre Kinder über verseuchten Boden laufen. Deshalb bleiben die Kinder sehr oft zu Hause und werden nur mit dem Auto zur Schule gefahren.

960 Kinder konnten dank Hilfe für Japan an Freizeiten teilnehmen

Aktion "Hilfe für Japan"

Fukushima-Kinder im Okinawa Camp – finanziert von der Aktion „Hilfe für Japan“.

Die von Yoko und Horst Schlütermann initiierte Aktion „Hilfe für Japan“ ermöglicht es diesen Kindern, Urlaub im 2.200 Kilometer entfernten Okinawa machen zu können. Das Projekt entstand drei Tage nach der Atomkatastrophe in Fukushima.

Bis heute wurden insgesamt über 320 000 Euro gesammelt. Mit diesem Geld wurde über 960 Kindern ermöglicht, an Feriencamps teilzunehmen. Dort können sie sich bewegen, im Meer schwimmen und kriegen vor allem die Möglichkeit zu entschlacken.

„Hilfe ist wichtiger denn je“, so Schlütermann, „denn Tschernobyl hat gezeigt, dass nach fünf Jahren die Anzahl der Erkrankungen drastisch steigt. Gleichzeitig ist die Situation in Fukushima hier in Deutschland inzwischen immer weniger präsent in den Medien.“

Die Deutsch-Japanisch Gesellschaft organisiert Vorträge und Konzerte

Die Aktion „Hilfe für Japan“ ermöglicht es Kindern, Urlaub im 2.200 Kilometer entfernten Okinawa zu machen.

Die Aktion „Hilfe für Japan“ ermöglicht es Kindern, Urlaub im 2.200 Kilometer entfernten Okinawa zu machen.

Die Deutsch-Japanisch Gesellschaft organisiert nun zum Jahrestag eine Veranstaltungsreihe, um auf das Thema aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln.

Am Freitag, 11. März, hält Yoko Schlütermann um 19 Uhr in der Auslandsgesellschaft in der Steinstraße 48 einen Vortrag über ihre Erfahrungen in Fukushima. Außerdem wird Markus Scharrer über die Energiepolitik in Japan berichten. Auch Jörg Schellenberg aus Aachen wird vortragen. Er ist Teil des Aachener Aktionsbündnisses gegen den Atomreaktor Tihange in Belgien.

Am Sonntag, den 13. März, findet um 16 Uhr ein Benefizkonzert in der Auslandsgesellschaft statt. Der Eintritt ist zu beiden Veranstaltungen kostenlos. Um Spenden wird jedoch gebeten.

Mehr Informationen:

  • Mehr Infos zu dem Projekt und den Veranstaltungen findet man unter www.hilfefuerjapan2011.de
  • Wer an Hilfe für Japan spenden möchte, kann dies auf folgendes Konto tun:
    Auslandsgesellschaft NRW e.V.
    IBAN: DE05 4405 0199 0001 0709 16
    BIC: DORTDE33XXX Sparkasse Dortmund
    Stichwort: Hilfe für Japan (HfJ)

Ehrenamt im internationalen Dialog: Unermüdliche humanitäre Hilfe für die Kinder in einem hoch zivilisierten Land 

 

Ehepaar hat im Namen der Auslandsgesellschaft NRW rund 222.000 Euro für „Hilfe für Japan“ gesammelt

(Falls sich das Video nicht darstellt, bitte das Fenster aktualisieren) 

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2 Gedanken über “Jahrestag: Nach fünf Jahren stehen die Menschen in Fukushima noch immer vor riesigen Umwelt- und Gesundheitsproblemen

  1. Grüne Dortmund

    Die GRÜNEN zeigen die Ausstellung „Fukushima, Tschernobyl und wir“

    Mit den Jahren wächst die Verdrängung. Jahrestage sind eine Gelegenheit, die Erinnerung wachzuhalten und zu erneuern. Runde Jahrestage eignen sich dazu besonders gut.

    Am 11. März jährt sich Fukushima zum fünften Mal. Am 26. April ist Tschernobyl 30 Jahre her. Doch beide Katastrophen sind nicht Vergangenheit, sondern dauern bis heute an. Und sie können sich jederzeit wiederholen. Umso wichtiger, dass wir nicht nur mit Nachdruck an die unsäglichen Folgen der beiden Kernschmelzunfälle erinnern, sondern auch Druck machen, die acht Atomkraftwerke, die hierzulande noch laufen, endlich abzuschalten. Die Gefahr eines Super-GAU ist nicht gebannt!

    Die Dortmunder GRÜNEN zeigen aus Anlass der Jahrestage vom 12.03. bis 30.04. in ihrer Kreisgeschäftsstelle am Königswall 8 die Ausstellung „Fukushima, Tschernobyl und wir“.

    In eindrücklichen Bildern, erklärenden Grafiken und mit knappen Texten erzählt sie von den Hunderttausenden AufräumarbeiterInnen, deren Leben und Gesundheit Tschernobyl ruiniert hat, ebenso wie von den kranken und heimatlosen Kindern aus Fukushima.

    Sie zeigt, wie 1986 der radioaktive Fallout über ganz Europa niederging (und bis heute strahlt) und wie Japan heute vergeblich versucht, den durch den Super-GAU von Fukushima kontaminierten Boden flächendeckend abzutragen.

    Sie öffnet die Augen dafür, dass viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesundheitliche Folgen der Atomkatastrophen zu tragen haben. Und sie spannt den Bogen bis zu den Atomkraftwerken, die hierzulande noch immer laufen: Auch hier ist eine Katastrophe jederzeit möglich. Wer weiter auf Atomkraft setzt, muss Fukushima und Tschernobyl vergessen und das Atomrisiko verdrängen. Diese Ausstellung hält dagegen.

    Die Ausstellung wird von den GRÜNEN vorab am 11.03., dem fünften Jahrestag der Fukushima-Katastrophe, von 14-17 Uhr vor der Reinoldikirche präsentiert. Dabei wollen wir insbesondere hinweisen auf das Risiko der Uralt-Atommeiler Tihange und Döel an der belgischen Grenze. Sollte dort ein ähnlicher Super-Gau geschehen, liegt Dortmund in der direkten Gefahrenzone von 200 km Umkreis.

  2. Grüne Dortmund

    Kraftwerkunglück darf sich nicht wiederholen: Tihange und Doel müssen vom Netz

    Kraftwerkunglücke wie in Fukushima und in Tschernobyl dürfen sich nicht wiederholen, Die GRÜNEN im Rat fordern deshalb den Oberbürgermeister auf, das Klageverfahren der Städteregion Aachen gegen den Weiterbetrieb der maroden belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel zu unterstützen.

    Ulrich Langhorst, Fraktionssprecher der GRÜNEN: „Als GRÜNE stehen wir für die schnellstmögliche Stilllegung aller Atomkraftwerke. Insbesondere die belgischen Pannen-Meiler müssen jetzt schnellstens vom Netz. Das Risiko eines Störfalls an den baufälligen AKWs steigt permanent. Fünf Jahre ist es heute her, dass in Fukushima 19.000 Menschen durch einen Unfall in einem Atomkraftwerk getötet wurden. Die 500.000 Bewohner*innen der umliegenden Städte sind immer noch behelfsmäßig untergebracht und es ist fraglich, ob sie jemals in ihre Häuser zurückkehren können. Die Natur rund um das Kraftwerk bleibt in jedem Fall auf unabsehbare Zeit verseucht. Trotzdem werden in Belgien Atomkraftwerke mit bekannten Sicherheitsmängeln nicht vom Netz genommen. Im Gegenteil, die belgische Regierung hat trotz aller Warnungen, eine Betriebsverlängerung beschlossen. Der Fukushima-Jahrestag erinnert nochmal eindrücklich an die fatalen Folgen einer Atomkatastrophe, die Belgien mit dem Weiterbetrieb der Schrott-AKWs leichtfertig in Kauf nimmt.“

    Tihange und Doel gingen 1975 erstmals ans Netz. Baubeginn für Doel war 1969. 2014 beschloss die belgische Regierung die ältesten Reaktorblöcke nicht – wie geplant – 2015 stillzulegen, sondern die Laufzeiten um zehn Jahre bis 2025 zu verlängern. Die Reaktorblöcke gehören zu den ältesten in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken Europas. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu massiven Störfällen durch Risse im Druckbehälter. Etliche Male mussten die verschiedenen Reaktoren infolge von Bränden, Ausfall von Pumpen usw. notabgeschaltet werden.

    Das Land NRW hat zudem erhebliche Zweifel, ob die Laufzeitverlängerung durch die belgische Regierung mit europäischem und internationalem Recht vereinbar ist und wird eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission und den Vereinten Nationen einlegen.

    Ulrich Langhorst: „Ein Atomunglück in einem der beiden grenznahen Atomkraftwerke hätte verheerende Folgen auch für die Niederlande, Deutschland und für Dortmund. Sollte der Gau geschehen, liegt Dortmund in der direkten Gefahrenzone von 200km Umkreis. Grund genug, sich jetzt auch hier für die Abschaltung der belgischen Kraftwerke einzusetzen. Über die Folgen einer Atomkatastrophe kann man sich aktuell auch in der Ausstellung „Fukushima, Tschernobyl und wir“ informieren, die ab heute bis Ende April in der GRÜNEN Kreisgeschäftsstelle am Königswall zu sehen ist. Sie zeigt, wie 1986 der radioaktive Fallout aus Tschernobyl über ganz Europa niederging und bis heute strahlt. Das darf sich nicht wiederholen.“

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