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In Sachen Rente bahnt sich etwas an: Der DGB bringt das Thema in Dortmund auf das richtige Gleis

„Rente muss reichen“ lautet die Kampagne der Gewerkschaften. Foto: Susanne Schulte

„Rente muss reichen“ lautet die Kampagne der DGB-Gewerkschaften. Fotos: Susanne Schulte

Von Susanne Schulte

Auf die deutsche Rentenversicherung lassen die Gewerkschaftsvorsitzenden nichts kommen – nur die Höhe der künftigen und auch der heutigen Zahlungen lässt sie erschrecken und macht sie mobil, damit die Versicherten mobil werden. Um das Thema Alterssicherung in die Köpfe aller Menschen zu bekommen, fährt ab sofort in Dortmund eine rote Straßenbahn ober- und unterirdisch über die Schienen mit der Forderung „Rente muss reichen“.

Ein entschiedenes Ja für die Institution der Deutschen Rentenversicherung

„Rente muss reichen“ lautet die Kampagne der Gewerkschaften. Foto: Susanne Schulte

In der Straßenbahn fand auch das Pressegespräch statt.

Diese Forderung ist gleichzeitig auch der Name der Seite im Internet, auf der alles Wissenswerte über die Entwicklung der Renten zu lesen ist und was sich tun muss, damit jeder und jede nach Jahrzehnte langer Erwerbstätigkeit von dieser Rente leben kann.

„Auch, geh mir weg mit dem Thema“, hören Jutta Reiter, Manfred Sträter, Birgit Haverkemper und Renate Lawert-Kuhn häufig von Frauen und Männern, die noch 25, 35, 45 Jahre erwerbstätig sein müssen – nach heutigem Stand der Dinge.

Wer 30 ist, macht sich um die Rente meist noch keinen Kopf oder meint, sich privat abzusichern, sei auf jeden Fall sicherer. Das sehen die GewerkschafterInnen anders. „Die Sozialversicherung ist eine wichtige und stabile Institution“, so die Dortmunder DGB-Vorsitzende Reiter bei der Pressekonferenz im Straßenbahnwagen.

Die wolle man auf jeden Fall behalten. Nur müsse jede Berufsgruppe einzahlen, auch BeamtInnen und Selbstständige, die Beiträge dürften nicht niedriger und die Mütterrente müsste aus Steuergeldern bezahlt werden. Dann könne man das heutige Rentenniveau halten.

In der Bundespolitik fährt die Zukunft der Rente in die falsche Richtung

„Rente muss reichen“ lautet die Kampagne der Gewerkschaften. Foto: Susanne SchulteEine Forderung des DGB ist, eine höhere Rente zu erreichen: mindestens 50 Prozent des durchschnittlich im Laufe eines Arbeitslebens erhaltenen Nettolohns.

Dass die BundespolitikerInnen aus drei Parteien dem Thema nicht allzu aufgeschlossen gegenüber stehen, erfuhren die Gewerkschaftsvorsitzenden in Gesprächen mit drei von denen, die die Dortmunder WählerInnen nach Berlin geschickt haben.

Also muss der Druck nun von eben diesen WählerInnen kommen. „Die nächsten neun Monate bis zur Bundestagswahl schieben wir dieses Thema in jede Betriebsversammlung“, kündigte Manfred Sträter von der NGG an. Solange fährt auch die rote Bahn durch Dortmund. Zehn Monate lang hat der Bundesvorstand des DGB die Kampagne finanziert.

Der Lebensstandard ist für viele RentnerInnen nicht zu halten 

„Rente muss reichen“ lautet die Kampagne der Gewerkschaften. Foto: Susanne SchulteSinkende Löhne in vielen Branchen, tarifungebundene Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeit und Erziehungsjahre sind sichere Voraussetzungen für eine niedrige Rente, die nicht zum Leben reicht.

Birgit Haverkemper von ver.di nannte ein typisches Frauenerwerbsleben. Ausbildung im Einzelhandel, Kindererziehung, Teilzeitarbeit die letzten 30 Jahre bis zur Rente. 813 Euro bekämen tausende Frauen als Rentnerinnen überwiesen. Waren sie selbst nicht erwerbstätig, aber verheiratet, sahen die Rente als Familienversicherung an, stehen sie dann oft als Witwe mit wenig Geld da.

„Viele Frauen erzählen mir dann, sie müssten umziehen, weil sie die Miete mit der verringerten Rente nicht mehr zahlen könnten“, so Renate Lawert-Kuhn von der KAB, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung.

Weg mit Riester, rein mit dem Geld in die gesetzliche Rentenversicherung

„Rente muss reichen“ lautet die Kampagne der Gewerkschaften. Foto: Susanne SchulteVon einer Rente, die den Lebensstandard der einst Erwerbstätigen sichere, können keine Rede mehr sein.

Statt mit der Riester-Rente, die sich viele Wenig-VerdienerInnen auch gar nicht leisten könnten, die Versicherungskonzerne zu subventionieren, solle das Geld besser in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt werden.

Dort sei der Verwaltungsaufwand gering, aber effektiv, dieses System müsse gestärkt werden. Wie auch die Beitragspflicht der ArbeitgeberInnen, so die einhellige Forderung. Eine paritätische, also gleiche, Einzahlung von beiden Seiten ist ein weiteres Ziel der DGB-Kampagne.

Für März ist eine Veranstaltung mit Hans-Jürgen Urban von der IG Metall geplant

Die Straßenbahn ist in ganz Dortmund zu sehen, kommt jedoch wegen der besonderen Verhältnisse auf den Strecken Richtung Westfalenhütte und Wickede dort nicht zum Einsatz.

Wer jedoch in Aplerbeck oder Hörde, Mengede oder Brechten wohnt, kann womöglich genau mit dieser Bahn am 21. März zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über die Zukunft der Rente fahren, zu der der DGB Dortmund Hans-Jürgen Urban aus dem Vorstand der IG Metall eingeladen hat. Der Mann hat zu dem Thema viel zu sagen.

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