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IBB Dortmund macht Schulen und Jugendeinrichtungen Mut zum Besuch von Lernorten der NS-Geschichte in Polen

Der Jugendring und die Botschafter der Erinnerung haben eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz gemacht.

Die Botschaft: „Auschwitz ist kein Ort, den man so verlässt wie man ihn betreten hat.“ Fotos (2): Alexander Völkel

Was lernen Schülerinnen und Schüler aus einer Studienfahrt nach Auschwitz? Diese Frage beantwortet die „Dokumentation von Schülerarbeiten zu Studienfahrten nach Auschwitz“, die das IBB in Dortmund vorgestellt hat. „Mit dieser Dokumentation möchten wir Schulen Mut machen, Studienfahrten zu Lernorten der Geschichte zu unternehmen“, sagt Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer der IBB gGmbH. „Jeder Schüler und jede Schülerin sollte einmal einen Vernichtungsort in Polen besucht haben. Auschwitz ist kein Ort, den man so verlässt wie man ihn betreten hat.“

IBB finanziert bis zu 100 Gedenkstättenfahrten zu Lernorten im heutigen Polen

Mehr als eine Million Menschen wurden von den nazis allein in Auschwitz-Birkenau ermordet. Foto: Alex Völkel

Mehr als eine Million Menschen wurden von den Nazis allein im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet.

Bis zu 100 Gedenkstättenfahrten zu Lernorten im heutigen Polen kann die IBB gGmbH aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans in diesem Jahr fördern. Das Bundesfamilienministerium hat die Mittel für Gedenkstättenfahrten im März 2017 aufgrund der großen Nachfrage auf bis zu 500 000 Euro verdoppelt. Für 2017 können noch Anträge gestellt werden.

Wie Gedenkstättenfahrten konzipiert werden können und vor allem, was die Jugendlichen daraus lernen, fasst die neue, 32 Seiten starke Dokumentation zusammen. Mit Lithografien, Zeichnungen, Fotos – aber auch Tagebucheinträgen, Gedichten und Erinnerungsbüchern halten Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke von ihrer Gedenkstättenfahrt fest. Die Dokumentationen reichen die Schulen bei der IBB gGmbH ein.

Das IBB und die Stiftung „Erinnern ermöglichen“ bewahren daher einen Schatz. Monika Junge-Wentrup, Lehrerin im Ruhestand, hat 26 Beispiele aus den Jahren 2011 bis 2013 willkürlich herausgegriffen und die Erfahrungen schulformübergreifend zusammengefasst. Entstanden ist ein nützliches Kompendium, das deutlich positive Lerneffekte zeigt und zur Planung einer Gedenkstättenfahrt genutzt werden kann.

Auseinandersetzung mit einem Gewaltherrschaftssystem notwendiger denn je

„Heute ist die Auseinandersetzung mit einem Gewaltherrschaftssystem wie dem Nationalsozialismus notwendiger denn je“, schreibt Monika Junge-Wentrup in der Einleitung. „Überall in Europa und in Amerika ist die demokratische Grundordnung durch aufstrebende Nationalisten gefährdet, denen Gewaltenteilung, demokratische Kontrollsysteme und Bürgerrechte nichts mehr gelten und die ein autoritäres Weltbild vertreten.“

Bartholmäus Fujak, Peter Junge-Wentrup, Agata Grzenia, Marina und Ömer Akil stellten die Doku vor. Foto: IBB

Bartholmäus Fujak, Peter Junge-Wentrup, Agata Grzenia, Marina und Ömer Akil stellten die Doku vor. Foto: IBB

Ein Besuch in Auschwitz schärft den Blick für die Folgen von Macht und Manipulationen. Mit den Worten eines Schülers: „Wenn man diese Fahrt mit Filmen und Büchern vergleicht, die dasselbe beinhalten, ist diese Fahrt viel belehrender, weil die eigenen Gefühle ins Spiel kommen.“

Agata Grzenia und Bartholomäus Fujak, Bildungsreferenten beim IBB e.V., schilderten beispielhaft, wie außerschulische Träger der Jugendarbeit heute Gedenkstättenfahrten anlegen, um Jugendlichen eine individuelle Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte zu ermöglichen.

„Wir können an den unterschiedlichen Lernorten auf individuelle Fragestellungen der Lerngruppen eingehen und ein forschendes Lernen ermöglichen“, sagt Agata Grzenia, Bildungsreferentin beim IBB e.V. in Dortmund. „Dabei geht es uns nicht nur um die Aufarbeitung der Geschichte, sondern besonders auch um die Frage, was wir aus der Geschichte lernen können für eine gemeinsame Zukunft in Europa.“

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