Nordstadtblogger

Grünbau macht’s möglich: Ein 18-jähriger Flüchtling in der Nordstadt als Vorbild für BVB-Profi Neven Subotic

Paul aus Mali ist BVB-Fan, sein Ausbilder Joachim Goldenstein Schalker. Dennoch verstehen sich beide blendend.

Paul aus Mali ist BVB-Fan, sein Ausbilder Joachim Goldenstein Schalker. Dennoch verstehen sich beide blendend.

Zwei junge Männer, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Der eine floh als Kind mit seiner Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien, der andere alleine mit 16 aus Mali. Beide fanden in Dortmund eine neue Heimat. Der eine ist Neven Subotic – Fußballprofi beim BVB. Der andere ist Paul (Name geändert) – glücklicher Azubi bei der TSR Recycling im Dortmunder Hafen. Beim Fußball haben sie sich kennengelernt – bei der Nordstadt-Liga.

Vorbildlich: Der Flüchtling hat viel besser Deutsch gelernt als viele BVB-Profis

Paul aus Mali hat bei TSR Recycling einen Ausbildungsplatz gefunden. Neven Subotic hat ihn dort besucht.

Paul hat bei TSR Recycling einen Ausbildungsplatz gefunden. Neven Subotic hat ihn besucht.

Der BVB-Profi war dort, um die neue Saison von „Bunt kickt gut“ zu eröffnen. Paul und sein Freund haben dort mitgespielt. Sie kamen mit Neven ins Gespräch.

„Er hat mich sehr beeindruckt und wirklich inspiriert. Er ist ein sehr besonderer Mensch.“ Das sagt nicht etwa der jugendliche Flüchtling, sondern der Profi-Kicker und serbische Nationalspieler.

„Er ist ein Vorbild für mich“ sagt der zehn Jahre ältere Subotic. Paul würde auch als Vorbild für seine Vereinskollegen beim BVB taugen.

„Er hat in zwei Jahren viel besser Deutsch gelernt als viele Spieler in meiner Mannschaft“, räumt Neven ein, als er Paul an dessen neuem Ausbildungsplatz besucht.

Einsatz für Flüchtlinge – sogar am eigenen Geburtstag

Der Star nimmt sich viel Zeit. Für Paul. Und für das Projekt von Grünbau und den Arbeitgeber, welche den jungen Mann aus Mali so unterstützt haben. Neven möchte darauf aufmerksam machen, wie schwer es Flüchtlinge haben.

Er hilft mit seiner Stiftung in Afrika, aber auch persönlich vor Ort in der Nordstadt. Dieses Anliegen ist ihm so wichtig, dass er sogar an seinem eigenen Geburtstag über den Recycling-Betrieb läuft. Ohne Starallüren, offen und interessiert. Sie lachen uns spaßen. Er hört zu und fragt interessiert nach.

Den minderjährigen BVB-Fan zog es auf der Flucht von Mali nach Dortmund

Ausbilder Joachim Goldenstein ist Schalke-Fan und unterhält sich hier mit BVB-Profi Neven Subotic.

Ausbilder Joachim Goldenstein ist Schalke-Fan und unterhält sich hier mit BVB-Profi Neven Subotic.

Der Fußball und die Flucht verbinden sie. Wobei Paul Schreckliches erlebt hat. „Ich war total berührt. Ich wusste nicht, dass es solche Schicksale gibt“, berichtet der Star. Doch darüber möchte Paul heute nicht mehr sprechen.

Wohl aber darüber, dass er als Kind in seiner Heimat oft kilometerweit gelaufen ist, um Spiele des BVB sehen zu können. Er wollte nach seiner Flucht aus Mali unbedingt nach Dortmund. Dass nun ein Profi seines Lieblingsvereins neben ihm steht und ihm so hohe Anerkennung zollt – für ihn eigentlich unvorstellbar.

Genauso wie das gute Verhältnis zu seinem Ausbilder. Ein bekennender Schalke-Fan, der auf dem Recycling-Hof die S04-Fahne gehisst hat und auch seinen Helm mit dem Namen seines Vereins dekoriert hat. Dennoch versteht sich Paul mit dem viel älteren Ausbilder Joachim Goldenstein hervorragend – auch wenn der Azubi dessen Einladungen auf die Arena nach Schalke bislang noch immer ausschlägt. Anders als bei der Einladung von Neven – in den BVB-Tempel ist Paul gerne gekommen.

Ausbildung statt Fußball – bedingungsloser Einsatz für den Job 

Unter seiner Arbeitsjacke trägt der junge Mann aus Mali gleich zwei Trikots übereinander: Das des BVB und das vom Hombrucher SV. Doch seine Fußballschuhe hat der 18-Jährige vorerst an den Nagel gehängt.

Für ihn ist jetzt seine Ausbildung wichtiger. Schon in der Schule hat er sich richtig reingekniet, um Deutsch zu lernen und einen Hauptschul-Abschluss zu machen. Auch im Job packt er an. Morgens um 4 Uhr steht er auf, um rechtzeitig in der Firma zu sein.

Auch die Berufschule fordert ihn. Doch Paul murrt nicht. Im Gegenteil: Er ist begeistert: Er möchte seinem Arbeitgeber beweisen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben, ihn als Azubi zum Maschinen- und Anlageführer einzustellen.

Jugendhilfe und Ausbildungscoaching von Grünbau haben Chance eröffnet

Grünbau in der Nordstadt kümmert sich um Flüchtling und Neuzuwanderer.

Grünbau in der Nordstadt kümmert sich um die Zukunft von Flüchtlingen und Neuzuwanderern.

Dass er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann, verdankt er neben seinem bedingungslosen Einsatz auch der Unterstützung von Grünbau.

Die Grünbau-Jugendhilfe und das neue Ausbildungs-Coaching-Projekt haben Paul den Weg geebnet, erfährt Subotic. Manfred Schwarz hat sich um den minderjährigen Flüchtling gekümmert, als er aus dem Bonifatius-Heim kam und in einer Wohnung von Grünbau auf ein selbständiges Leben vorbereitet wurde.

In beruflichen Fragen hat ihn Ausbildungs-Coach Florian Eichenmüller begleitet. Er kümmert sich um junge Flüchtlinge und Neuzuwanderer, um sie fit für Ausbildung und Beruf zu machen.

Keine öffentlichen Zuschüsse für das Ausbildungs-Coaching von Grünbau

Florian Eichenmüller ist Ausbildungscoach bei Grünbau.

Florian Eichenmüller ist Ausbildungscoach bei Grünbau.

Allerdings – und das ist das große Problem und auch der Grund für den „Werbe-Einsatz“ von Subotic – gibt es keine öffentliche Förderung für das Ausbildungscoaching.

Bisher wird es aus Spenden wie von der Stiftung Soziale Stadt und der Derwald-Stiftung der Handwerkskammer sowie kleineren Projektzuwendungen wie aus dem Landesjugendplan finanziert, berichtet Grünbau-Geschäftsführer Andreas Koch. „Für 2015 stehen wir aber mit leeren Händen da.“

Für drei Monate springt ab Januar das regionale Bildungsbüro ein. Alle sehen die Notwendigkeit der Projekte und die Erfolge. Doch eine Regelförderung gibt es bisher nicht.

Rund 50 Jugendliche hat Eichenmüller seit dem 1. März begleitet. Viele sind in eine Ausbildung oder ein Praktikum  gegangen. Doch es bräuchte mehr Coaches. Denn es gibt aktuell 440 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Dortmund. Und die Zahl der jungen EU-Neuzuwanderer, die auch Hilfen zur beruflichen Integration bräuchten, ist noch höher.

Viele Puzzle-Teile und helfende Hände passten hier einfach zusammen

Paul blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Paul blickt zuversichtlich in die Zukunft. Fotos: Alex Völkel

Paul hat es geschafft. Doch nur, weil viele Puzzle-Teile für ihn zusammengepasst haben. Seine einnehmende Art, sein Lachen und seine funkelnden Augen haben ihm viele Türen geöffnet, räumt Stefanie van Afferden, Referentin für Personalentwicklung bei TSR, ein.

Ausbilder Joachim Goldenstein haben vor allem die guten Deutsch-Kenntnisse, der Fleiß und die Motivation des 18-jährigen Afrikaners überzeugt.

Flüchtlinge und EU-Neuzuwanderer hoffen auf eine Chance

„Paul ist ein sehr besonderer Mensch. Aber es gibt noch viele andere, die nicht die Chance hatten, ihre Stärken zu zeigen. Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung“, wirbt Neven Subotic daher bei Kooperationspartnern von Grünbau für eine Unterstützung.

Denn eins ist klar: Junge Menschen wie Paul wollen nicht von Almosen oder Sozialleistungen leben. Sie wollen arbeiten und für sich selbst aufkommen. Doch dafür brauchen sie eine Chance und eine Starthilfe.

Das lohnt sich, wie sich der ehemalige Flüchtling Neven Subotic bei seinem Besuch überzeugen konnte. Und den Staat kommt es am Ende auch sehr viel günstiger…

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