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Für den Queue-Macher und Billardspieler Martin Welk aus Dortmund gilt: Auch die Konkurrenz belebt das Geschäft

In Dortmund entstehen handgefertigte professionelle Queues.

In Dortmund entstehen handgefertigte professionelle Queues. Fotos: Roland Klecker/ dofoto.de

Von Susanne Schulte

Wenn Martin Welk zum ersten Stoß bei einem Pool-Billard-Turnier ansetzt, weiß er, was er in der Hand hat: Sein Queue hat er selbst gemacht. Der Dortmunder ist nicht nur Spieler, er ist auch Queue-Macher. Und das wissen auch seine Mannschaftskollegen und die Konkurrenten am Tisch zu schätzen. Kämpft er nicht gerade selbst um den Sieg, kümmerte er sich um die Perfektion der Sportgeräte der anderen Spieler. Seine mobile Werkstatt hat er meist dabei.

Auf die Maßanfertigung seines Spielgerätes muss der Kunde viele Monate warten

Queue-Macher und Billardspieler Queue-Macher Martin Welk. Fotos: Roland Klecker/ dofoto.de

Queue-Macher und Billardspieler Martin Welk. 

„Vielleicht ist es so wie beim Tennis. Man spielt ein paar Prozent besser mit dem richtigen Queue.“ So sind alle Fertigungen aus seiner Werkstatt an der Güntherstraße 118 Maßarbeit.

„Mit dem Kunden teste ich Hölzer, gucke welches Holz ihm am besten liegt, welche Gewichtsverteilung für ihn geeignet ist.“ Ist der Auftrag erteilt, muss der Spieler Geduld haben.

„Ein Queue sollte langsam gebaut werden“, sagt Martin Welk. Und so dauert es sechs bis acht Monate, bis der Kunde damit zum ersten Spiel antreten kann.

Queue-Bauer ist in Deutschland kein anerkannter Ausbildungsberuf

Martin Welk kam im Alter von elf Jahren mit seinen Eltern aus Masuren nach Hörde. Das Billardspiel hat er in Kneipen gelernt, wollte besser werden, um weniger Runden nach verlorenen Spielen zahlen zu müssen und wurde Mitglied im Schwerter PBC.

Er machte eine Lehre zum Schreiner und verband Jahre später das Hobby mit dem Beruf. Heute nennt er sich Queue-Macher. „Queue-Bauer ist in Deutschland kein anerkannter Ausbildungsberuf“, sagt er. Die, die es können, bringen es anderen Interessierten und Talentierten bei. So war es auch bei Martin Welk.

Eine bessere Werbung gibt es nicht: Mit Martin Welk Custom Cues spielen Weltmeister

Ein Spieler-Kollege hatte ein Billard-Fachgeschäft in Witten und machte selber Queues. Dort lernte Welk das spezielle Handwerk. 2010 gründete er seine eigene Firma in einem kleinen Laden im Block der Lenteninsel. Er arbeitet hauptsächlich nach Kundenwunsch.

Selten fragten Wiederverkäufer bei ihm an, sagt er. Die Queues sind Kunstwerke, nicht nur, was die Präzision ihrer Eigenschaften angeht, sondern auch ihr Aussehen.

Welk arbeitet Intarsien ein, arbeitet mit verschiedenen Hölzern, lackiert sie. Auf seiner Website wirbt er mit Weltmeistern, die mit einem „Martin Welk Custom Cue“ siegten.

In Deutschland können Billard-Profis – anders als in Asien – nicht vom Preisgeld leben

Auch Martin Welk siegt mit einem Martin Welk Custom Cue. 2008 wurde er Deutscher Meister mit dem PBC Bork, vor knapp vier Monaten gewann er den Billard-Weihnachtscup in Mettmann.

Das Preisgeld kann er gut gebrauchen, genauso wie das Taschengeld, das ihm Vereine zahlen, wenn er in deren Mannschaft bei Turnieren spielt. „Es gibt Profis, die es drauf haben, aber nicht vom Billard leben können“, sagt er.

In Asien, ja da gebe es Turniere mit hohem Preisgeld und die seien auch jede Woche im Fernsehen zu verfolgen. In Deutschland sei der Sport lange nicht so populär.

Kundschaft kommt oft von weit her – Welk hat nur wenige Kollegen im Land

Und so verdient sich Martin Welk seinen Lebensunterhalt eben mit dem Queue-Bauen. Weil es in dem Beruf von Vorteil ist, selbst ein guter Spieler zu sein, hat er in Deutschland nur wenige Kollegen. Ganze zehn Queue-Macher gebe es, so der Dortmunder.

So muss ein Spieler, der eine Maßanfertigung wünscht, schon ein wenig durch die Lande fahren, um seine Werkstatt zu finden. Welk hat Kunden nicht nur aus Deutschland, auch viele aus Polen und  englischsprachigen  Ländern.

Zeitungsausschnitte und Pokale künden von den sportlichen Erfolgen des Handwerkers

Wer von denen in seine Werkstatt kommt, hat sich auf den nicht viel mehr als 30 Quadratmetern schnell umgesehen. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt die Zeitungsausschnitte aus den Sportseiten der Tageszeitungen mit Bildern und Berichten über Welks Erfolge als Spieler,

Er sieht die Pokale, die er von Turnieren mitgebracht hat, und staunt über die Handwerkskunst, die man in fertigen und fast fertigen Queues erkennen kann.

Einfach mal so vorbeizukommen, ist aber keine so gute Idee. Welk ist auch häufig unterwegs, als Handwerker und Spieler, und empfiehlt, Termine per Mail oder übers Telefon auszumachen: mwelk@web.de oder 0176/10159817.

 

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