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FOTOSTRECKE „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“: Frauen demonstrieren am „Equal Pay Day“ für die gleiche Entlohnung

Die Frauen machen Lärm für ihre Rechte. Die Frauen machen Lärm für ihre Rechte.

Equal-Pay-Marsch durch die Stadt Dortmund – in der Nähe der Kampstraße. Fotos: Carmen Körner

Von Carmen Körner

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – am „Equal Pay Day“ – dem Tag für gleiche Bezahlung von Männern und Frauen – gab es einen lautstarken Marsch durch die City von Dortmund. Denn der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ist heutzutage immer noch bei durchschnittlich 21 Prozent. Das bedeutet: Bis Mitte März eines jeden Jahres arbeiten Frauen quasi unentgeltlich, während die Männer im übertragenen Sinn seit dem 1. Januar bezahlt werden. An diesen „Stichtag“ erinnert die Demo.

Dirk R. Schuchardt: „Altersarmut hat ein Gesicht und das ist weiblich“

Über die „Gender Pay Gap“ (Geschlechter-Bezahlungslücke) hinaus bildet sich die Gender Pension Gap (Geschlechter-Rentenlücke), welche noch bedeutend schlimmer ist: 42 Prozent Rückstand beträgt das Alterseinkommen von Rentnerinnen und Rentnern im Vergleich.

Von links nach rechts: Ulla Pulpanek-Seidel (SPD), Justine Grollmann (CDU), Anja Butschkau (SPD), Maresa Feldmann (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt), Inge Albrecht-Winterhoff (SPD)

Ulla Pulpanek-Seidel (SPD), Justine Grollmann (CDU), Anja Butschkau (SPD), Maresa Feldmann (Stadt), Inge Albrecht-Winterhoff (SPD).

Diese hohe Prozentzahl resultiert daraus, dass Frauen häufig aus Pflege- und Erziehungsgründen, nur Mini-Jobs oder Teilzeitstellen besetzen und damit gesamtrechnerisch häufig weniger in die Rentenversicherung einzahlen können. Darüber hinaus ist auch der Lohnunterschied maßgeblich für diese Problematik.

Die Gender Pay Gap, auch geschlechtspezifischer Lohnunterschied genannt, stellt den Bruttostundenlohn von Männern und Frauen gegenüber. Inzwischen gibt es auch eine bereinigte Gender Pay Gap, die das Gehalt von Männern und Frauen in vergleichbaren Positionen beziehungsweise mit gleichen Qualifikationen gegenüberstellt.

Der Wert liegt mit sechs Prozent Lohnunterschied im Jahr 2014 bedeutend geringer, als die allgemeine Lücke. Das liegt daran, dass in dieser Statistik nur vergleichbare Strukturen untersucht wurden. Fragwürdig ist daher, ob der bereinigte Lohnunterschied das Problem erfasst, das es zu bekämpfen gibt, nämlich, dass Männer und Frauen gleich sind und die gleiche Anerkennung, gleiche Entlohnung und den gleichen Respekt verdienen sollten.

Auch das „Entgelttransparenzgeschwätz“ ändert nichts an der Lohnungerechtigkeit 

Dass dem leider noch immer nicht so ist, ist nicht nur erkennbar an den oben genannten Zahlen. Eine Ingenieurin* (Name der Redaktion bekannt) berichtet ihren Fall von Lohnungerechtigkeit. Mit besserer Qualifikation und längerer Unternehmenszugehörigkeit verdiente sie trotzdem acht Prozent weniger, als ihr Arbeitskollege. Die Gleichstellungsbeauftragte des Betriebs teilte ihr mit, dass es da gesetzlich leider nichts zu machen gäbe.

Demonstrantinnen.

Demonstrantinnen verteilen Info-Flyer.

Traurigerweise werde man in Deutschland nicht nach Leistung bezahlt, sondern nach Verhandlungsgeschick, so die Ingenieurin. Erst nachdem sie ihren Chef überzeugt hatte, weil sie durch den Arbeitskollegen wusste, wie hoch die Messlatte für ihr Gehalt liegt, bekam sie das vergleichbare Entgelt bezahlt.

Um solchen Problemen vorzubeugen, wurde im vergangenen Jahr das Entgelttransparenzgesetz beschlossen. Leider jedoch eher als „Entgelttransparenzgeschwätz“ zu betiteln, so die Ingenieurin. Denn dieses gilt erst bei 200 MitarbeiterInnenn, wobei sechs Leute auf gleicher Position beschäftigt sein müssen. Und dann wird auch nur der Median mitgeteilt. Der Median ist der Wert, der in der Mitte steht, wenn alle Gehälter der Größe der nach sortiert werden, er beschreibt nicht den Durchschnitt und ist daher auch nicht besonders aussagekräftig.

Dass Frauen häufiger in Teilzeit oder Minijobs arbeiten oder im Allgemeinen in Bereichen, die weniger gut bezahlt werden, gilt es daher auch zu hinterfragen. Frauen kümmern sich öfter um pflegebedürftige Verwandte (auch die ihres Mannes). Frauen bleiben zudem auch häufiger zu Hause, um die Kinder zu erziehen. Wenn für diese Art von Arbeit, die zu Hause stattfindet, genau so viel Respekt und Anerkennung in Form von beispielsweiser gleicher Rente den Frauen entgegengebracht werden würde, wäre die Gesellschaft deutlich gerechter.

„Der beste Tag sich um seine Rente zu kümmern war gestern. Der zweitbeste ist heute!“

Rentenexperte Dirk R. Schuchardt hat beim RedDinner im Rathaus einen Rentenworkshop gegeben. Jede/r BürgerIn in Deutschland bekommt ab 27 Jahren mit genügend geleisteten Arbeitsjahren eine Renteninformation zugeschickt. Diese enthält, ab wann man die Regelaltersrente beziehen kann. Darüber hinaus wird aufgeschlüsselt, wie viel Rente man bekäme, würde man ab sofort erwerbsunfähig werden.

Rentenexperte Dirk R. Schuchardt klärt über die Altersvorsorge auf.

Rentenexperte Dirk R. Schuchardt klärt über die Altersvorsorge auf.

Ebenso beinhaltet die Renteninformation die aktuelle Rente, wenn man bereits fünf Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hat und dies dann stoppt. Diese Daten sind aber auch nur aktuell, solange keine Rentenanpassungen erfolgen. Die zukünftige prognostizierte Inflationsrate, also der Kaufkraftverlust, ist ebenfalls der Renteninformation zu entnehmen.

Das bedeutet, je später man Rente beziehen kann, desto weniger wird diese wert sein. Frauen leben durchschnittlich vier Jahre länger, als Männer, daher sei die Gender Pension Gap noch unsinniger, so Schuchardt. Bei der Deutschen Rentenversicherung könne jede/r eine Rentenauskunft verlangen. Dafür müsse man alle Arbeitsverträge, Zeugnisse, einfach alles, was das berufliche Leben beschreibt mitbringen, um eine genaue Aufschlüsselung zu bekommen, erklärte Schuchardt.

Eine weitere Attraktion des RedDinners war neben dem leckeren Finger-Food der Kurzfilm „Butta bei de Fische – Der Wettlauf zur Rente“ – gedreht von Susanne Wilhelmina. Hierbei wurde auf lustige Art und Weise dargestellt, wie unterschiedlich der Rentenanspruch von Männern und Frauen ist.

Besonders einprägsam von diesem Tag bleibt das Zitat von Dirk R. Schuchardt: „Altersvorsorge ist ein Zwiegespräch mit seinem zukünftigen Ich“. Damit hat er recht.

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