Nordstadtblogger

„Farbe.Licht.Raum“ in der Nordstadt: Ausstellung im Künstlerhaus Dortmund zur scheinbaren Dreieinigkeit

Von Gerd Wüsthoff

Die Ausstellung „Farbe.Licht.Raum“ erscheint wie eine untrennbare Dreieinigkeit. Im Künstlerhaus Dortmund ist Malerei nicht nur in ihrer klassischen Form, sondern auch als ein räumliches Kunstobjekt zu erleben. Die fünf Sinne des Menschen stellt die Ausstellung Farbe.Licht.Raum auf die Probe, besonders im Blick auf das Sehen. Acht KünstlerInnen haben Beiträge geliefert. Kuratorin Anett Frontzek eröffnet am Freitag, 26. Januar 2018, um 20 Uhr  in der Nordstadt mit einer Führung durch die Ausstellung.

Verborgenes – Plakatives – Spannendes – Rhythmisches – Magisches – Zerberstendes

Werk von Arjan Janssen.

Verschiedenste Materialien als Träger der Malerei stellen dem Betrachter unterschiedlichste Sicht- und Herangehensweisen der KünstlerInnen plastisch vor Augen. Der Niederländer Arjan Janssen malt seine geometrischen schwarzen, weißen und grauen Bilder mit unterschiedlichen Strichrichtungen dar, welches nur bei genauem Hinsehen erkennbar wird, seinen Bildern aber eine interessante Spannung verleihen.

Ähnlich, aber doch ganz anders, malt Claudia Vogel. Ihre kleinformatigen Bilder sind auf Materialien gemalt, welche nicht als Leinwand identifizierbar sind. Ihre mehrschichtig aufgetragenen Farben mischen sich zum Teil und werden durch den Trocknungsprozess zu Abbildern von imaginären Geländeformationen.

Farbe und Licht sind bei Sybille Hassinger wichtige Katalysatoren ihrer großformatigen Bildfindungen. Bei Hasslinger stehen pastellartige und kräftige Farben im Kontrast und zugleich im Dialog. Ihre Kreise – durchbrochen von geometrischen Formen und Linien – erzeugen in ihren Bildern eine dynamischen Spannung.

Sybille Hassinger im Künstlerhaus Dortmund. Fotos: Leopold Achilles

Nicole Jana stellt ihre „Uneconomic Drawings“ im Künstlerhaus aus. Ihre Bilder sind Zeichnungen auf Aluminiumfolie, die in der weiteren Bearbeitung mit Acrylfarbe bemalt werden und sich dabei zu reliefartgen Strukturen entwickeln. Die Teils arg zerschrundenen, zarten, zerbrechlich wirkenden Strukturen und Zeichnungen der Berlinerin öffnen sich in den Raum und werden zu Skulpturen, bzw. Reliefs.

Das Thema der Arbeiten von Elisabeth Sonneck sind Schwerkraft und Spannung. Sonnecks arbeiten sind einseitig mit Ölfarben bemalte spezielle Papierbahnen. Der erste Eindruck für den unbedarften Betrachter könnte sein: Tapeten. Die Ölfarben erzeugen auf dem Papier eine Spannung des Trägermaterials, die automatisch zu Skulpturen im Raum führen. Der französische Philiosoph Henri Maldiney kommentierte die Arbeiten von Sonneck: „Der Rhythmus durchschwebt den Raum (und die Zeit) mit einer existentiellen Bedeutung, das heißt mit einer Bedeutsamen Gegenwart.“

Werk von Elisabeth Sonneck.

Für Rainer Splitt ist die Invasion des Raumes durch Farbe seit vielen Jahren ein Kennzeichen seines Werkes. Die raumgreifenden, spiegelnden Farbgüsse oder Farblachen des Berliners entstehen durch einfaches Ausgießen der jeweiligen Farbe. Je nach Standpunkt spiegelt die glänzende Farbe den Raum und Ausstellungsgegenstände, wie auch den Betrachter. Ein magisches Erlebnis für den Betrachter, der sich darin mit Leuchtmitteln reflektierend wiedererkennt.

Werke von Rainer Splitt.

Installation von Ulrich Vogl im Keller des Künstlerhauses.

Magisch ist die Installation des Berliners Ulrich Vogel ebenfalls zu nennen. BesucherInnen betreten den Kellerraum des Künstlerhaus Dortmund, einem altem Gebäude der Zeche Westfalia, und erleben ein lebendiges „Fenster zum Hof“.

Seit 2010 hat der Künstler seine vom Spiel des Lichts und reflektierender, sich bewegender Schatten an verschiedenen Orten präsentiert. Allerdings greift er dabei  jeweils die spezifischen Gegebenheiten des Ausstellungsraumes auf. Im Künstlerhaus Dortmund stellt er im sieben Meter tiefen Keller aus. Schon der alleine Ort erzeugt eine surreale, fast gespenstische Spannung, welche durch die Installation noch verstärkt wird.

Paul Schwer arbeitet seit 20 Jahren im erweiterten Feld der Malerei. Seine mit Farbe versetzte Buttermilchmalerei auf Glas, erhitzt durch Baustrahler mit unterschiedlicher Wattstärke, zerspringt im Laufe der Ausstellung. Dabei entsteht aus einem in Farben getauchten Raum allmählich ein gleißend erhellter kalter neuer Raum.

Seine Konzeption zeigt dem Betrachter Momente der Wahrnehmung, die sich je nach der Zeit beständig verändern. Er manifestiert damit die Flüchtigkeit der eigenen Wahrnehmungen. „Ich will festhalten, dass nichts festgehalten werden kann“, sagt Schwer, der in einem anderen Kellerraum des Künstlerhaus Dortmund seine Installation präsentiert.

Paul Schwer.

Mehr Informationen:

  • Ort: Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund
  • Öffnungszeiten der Ausstellung: donnerstags bis sonntags von 16 bis 19 Uhr 
  • Führungen für Gruppen oder Schulklassen sind möglich
  • Der Eintritt ist, wenn nicht anders angegeben, frei.
  • Internetseite: www.kh-do.de/
Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.