Nordstadtblogger

Extremen Juckreiz nicht mehr ausgehalten: Ein deutscher Patient kommt extra aus den USA in die Hautklinik nach Dortmund

Das Foto zeigt den Patienten mit der bereits abgeklungenen Hauterkrankung und Oberarzt Dr. Hartmut Ständer.

Das Foto zeigt den Patienten mit der bereits abgeklungenen Hauterkrankung und Oberarzt Dr. Hartmut Ständer.

Zwischen Leid und Linderung lag der Atlantik: Nach der sechsten nahezu komplett durchwachten Nacht infolge war Jens Meinecke (Name geändert) erschöpft, seine schuppige, juckende Haut war blutig gekratzt. Diesen Zustand sollte der Vertriebler, der zu diesem Zeitpunkt in den USA, Virgina, arbeitete, noch zwei Wochen ertragen? So lange hätte es nämlich gedauert, bis er in den Vereinigten Staaten einen Termin in einer Ambulanz bekommen hätte; dermatologische Notfallvorstellungen sind dort nicht vorgesehen. Der 49- Jährige machte kurzen Prozess: Er nahm einen Flieger nach Deutschland – und war jetzt fünf Tage lang in der Hautklinik des Klinikums Dortmund sicherlich der Patient mit dem längsten Anreiseweg. Das erstaunte das Klinikteam.

Jährlich 2200 PatientInnen als Notfall in der Dermatologie im Klinikum Dortmund

„In der Dermatologie werden jährlich ca. 2200 Patienten außerhalb jeglicher regulärer Sprechstundenzeiten notfallmäßig ambulant gesehen und versorgt“, erklärt Prof. Dorothée Nashan, Direktorin der Hautklinik im Klinikum Dortmund. Nicht alles sei dabei sicherlich ein Notfall, bei z.B. einem klassischen Mückenstich doch eher fragwürdig, dennoch werde jeder Fall untersucht: „Für Patienten besteht eine ärztliche Bereitschaftsversorgung in der Hautklinik im Klinikum Dortmund.“

Oftmals kämen die Patienten mit Fieber und Schüttelfrost bei einem akuten Erysipel (Wundrose), mit einem initial schmerzhaften Herpes zoster (Gürtelrose) oder auch allergischen Reaktionen. Oder eben mit blutig aufgekratzter Haut ohne augenscheinliche Ursache wie Meinecke aus den USA.

„Ich arbeite für einen global aufgestellten Werkzeugmaschinerhersteller aus dem Siegerland, bin eigentlich in der ganzen Welt unterwegs: Russland, Mittlerer Osten, Indien, China. Ich habe also bereits viel gesehen, aber es geht doch nichts über das deutsche Gesundheitssystem“, sagt Meinecke. In den USA, sagt er, würden die Leute erst in eine Klinik gehen, wenn sie kaum noch laufen können. Vorher versuchen sie mit allerlei Selbsttherapie, eine Besserung zu erreichen.

In den USA hätte der akut erkrankte Patient mindestens 14 Tage auf einen Termin warten müssen

„In den USA gibt es aber auch eine Menge Arzneimittel frei, die hier in Deutschland verschreibungspflichtig sind“, sagt Dr. Hartmut Ständer, Oberarzt in der Hautklinik des Klinikums Dortmund. Er kennt die Verhältnisse dort, hat einige Zeit in New York gearbeitet. „In den USA ist allen Kliniken eine Art Portalambulanz als Nadelöhr vorgeschaltet, durch das jeder Patient muss. Für diese Ambulanz hätte Hr. Meinecke erst in vierzehn Tagen einen Termin bekommen. Das ist natürlich in seinem Zustand nicht wirklich zielführend.“

Das Team der Hautklinik behandelte den Patienten mit diversen antiseptischen und antientzündlichen Maßnahmen; nachgewiesene Bakterien wurden gezielt therapiert – so, wie auch der quälende Juckreiz gelindert werden konnte. „Häufig liegt der Erkrankung eine Neurodermitis zugrunde; es entstehen vielfach nur kleine Bläschen an den Finger- und Zehenseiten, aber in dieser Maximalvariante eines dyhidrosiformen Ekzems kann der Patient regelrecht handlungs- und laufunfähig werden“, erklärt Prof. Nashan.

„Wie so häufig bezüglich chronischer Hauterkrankungen muss hinsichtlich der Genese, Triggerfaktoren und langsamen Heilung wie auch möglicher Rezidive der Patient angelernt und mit Pflegekonzepten vertraut gemacht werden.“

Meinecke konnte übrigens inzwischen wieder entlassen werden. Er ist zurück in die USA geflogen – in Kürze will er dorthin komplett übersiedeln.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.