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Eine neue katholische Großpfarrei für die Nordstadt: Ab Sonntag gibt es „Heilige Dreikönige Dortmund“

Hochamt in der Kirche St. Aposteln, Clemens Veltum-Straße und Fronleichnamsprozession durch die Nordstadt, Pastoralverbund Nordstadt-Ost und Katholische Missionen

Die Fronleichnamsprozession durch die Nordstadt machten die beiden Pastoralverbünde schon gemeinsam.

Aus sechs mach eins: Am 10. Januar entsteht die neue katholische Nordstadt-Großpfarrei Hl. Dreikönige Dortmund. Sie ersetzt die sechs eigenständigen Nordstadt-Gemeinden, beziehungsweise die zwei bisherigen Pastoralverbünde. Am Sonntag um 15 Uhr wird die Gemeinde das mit einem Festgottesdienst und vielen Gästen und einer anschließenden Feier in der St. Josephs-Kirche zelebrieren.

Zweijähriger Diskussionsprozess ging der Fusion der sechs Gemeinden voran

Der neue name und das neue Logo prangen schon auf dem Transporter der Gemeinde.

Der neue Name und das neue Logo prangen schon auf dem Transporter der Gemeinde.

Formal gesehen findet damit ein zweijähriger Diskussions- und Fusionsprozess sein vorläufiges Ende, auch wenn noch Neuwahlen für die kirchlichen Gremien folgen werden. Doch die Arbeit geht dann jetzt erst richtig los, um eine gemeinsame Gemeinde zu schmieden.

Viel Vorarbeit haben alle Akteure dabei schon geleistet: Denn die beiden Pastoralverbünde – der Verbund „Fredenbaum“ mit St. Gertrudis, St. Aposteln und St. Michael sowie der Verbund „Innenstadt Nord-Ost“ mit St. Joseph, St. Antonius und Hl. Dreifaltigkeit – arbeiten schon seit zwei Jahren Hand in Hand.

An einer Fusion ging kein Weg vorbei, macht Pfarrer Ansgar Schocke deutlich. Nur noch 10.200 Gemeindeglieder zählt die katholische Kirche in der Nordstadt. Nur drei Prozent von ihnen besuchen Gottesdienste.

Allerdings leistet sich die Kirche noch sechs Kirchen mit sechs eigenständigen Gemeindevorständen und zwei Pfarrgemeinderäte für die bisherigen Pastoralverbünde. Neben den sechs Kirchen gibt es in der Regel auch Pfarr- und Gemeindehäuser sowie drei Pfarrbüros.

Perspektivisch werden nur die Kirchen St. Joseph und St. Gertrudis bleiben

Die Kirche St. Joseph heute - Blick aus der Priorstraße.

Die Kirche St. Joseph bleibt erhalten.

„Machen wir uns nichts vor: Es hätten alle Platz in St. Joseph“, betont Schocke. „Aber die Gemeinde und die Diozöse haben sich darauf geeinigt, dass zwei Kirchen zur Verfügung bleiben.“ Künftig stehen St. Joseph und St. Gertrudis im Fokus.

Die anderen vier Kirchen werden noch für Gottesdienste genutzt, bis es ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept dafür gibt. Einfach schließen, auch wenn es betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre, kommt für die Gemeinde nicht in Frage. Sie wollen die Gläubigen und die Ehrenamtlichen überzeugen und mitnehmen.

An den vier künftig wegfallenden Kirchenstandorten wurden oder werden Zukunftskreise gebildet, die aus Architekten, Interessierten, Vereinen, Mitgliedern und dem Pastoralteam bestehen. Zukünftig werden sie überlegen, wozu die zumeist denkmalgeschützten Gebäude konkret genutzt werden können.

Dreifaltigkeitskirche: Der BVB hat kein Interesse an seiner „Gründungskirche“

Buchvorstellung und BVB - Fans feiern vier Tage vor dem Pokalfinale unter dem Motto "Auf dem Weg nach Berlin - Wir lassen nichts unversucht" einen ökumenischen Gottesdienst. anschließend zogen die Fans zum Borsigplatz

Die Dreifaltigkeitskirche ist gut besucht – zumindest bei schwarz-gelben Gottesdiensten.

In der Dreifaltigkeitskirche in der Flurstraße sind die Überlegungen schon besonders weit gediehen: Gemeinsam mit dem DJK (Deutsche Jugend-Kraft), dem Sozialverband katholischer Männer, der Stadtteilschule und der Kirchengemeinde wird dort an einem Zukunftskonzept geschmiedet.

Ziel soll sein, den gottesdienstlichen Raum zu erhalten, ein Bewegungs-, Beratungs- und Ernährungsangebot dort zu etablieren und den Raum für Events mit kirchlichem Bezug wie die beliebten BVB-Gottesdienste nutzen zu können.

Der BVB selbst ist an der Übernahme seiner „Gründungskirche“ nicht interessiert und ist auch kein Partner in diesem Diskussionsprozess. Er bietet aber ideelle Unterstützung an.

„Wir hoffen, dass es damit ein Überleben dieses Ortes geben kann. Es wird anders werden, aber immer noch einen Bezug für die Kirche haben“, beteuert Schocke.

Die Fusion ist mehr als nur ein Schritt in der Not – neue Chancen

Die katholische Kirche St. Gertrudis soll ebenfalls erhalten bleiben.

Die Kirche St. Gertrudis bleibt erhalten.

Doch die Fusion nur als ein Schritt in der Not zu sehen, würde der Sache nicht gerecht werden.

Denn die Kirche stellt sich neu auf: Durch die Bildung einer gemeinsamen Nordstadt-Gemeinde wird diese auch schlagkräftiger, wahrnehmbarer und handlungsfähiger.

Viele Gläubige haben sich in den vergangenen zwei Jahren sehr intensiv mit ihrer Gemeinde und dem Glauben befasst. Deutlich wurde das auch bei der Namenswahl.

„Es gibt eine hohe Identifikation mit dem Namen. Die meisten Stimmen bei der Befragung gab es für „Heilige Dreikönige Dortmund“.

Neuer Name steht auch für die Internationalität der Nordstadt

Hochamt in der Kirche St. Aposteln, Clemens Veltum-Straße und Fronleichnamsprozession durch die Nordstadt, Pastoralverbund Nordstadt-Ost und Katholische Missionen. Pfarrer Ansgar Schocke

Pfarrer Ansgar Schocke leitet die Gemeinde.

„Es gibt keinen besseren Namen“, verdeutlicht Ansgar Schocke. Schließlich standen die drei Könige sinnbildlich für die damals drei bekannten Kontinente Afrika, Europa und Asien. Und die Nordstadt besteht ja auch aus aus drei Quartieren…

Natürlich nehmen die Nordstädter nicht Bezug auf historische Gestalten, wohl aber auf das Thema Internationalität und Zuwanderung.

„Es sind Menschen, die sich auf dem Weg gemacht haben, die eine Vision und ein Ziel hatten“, erläutert Schocke.

„ Sie sind angekommen, haben sich aber nicht zufriedenen gegeben mit dem, was sie gefunden haben, sondern das Gefundene in ihre Lebenswirklichkeit aufgenommen. Sie haben gezeigt, dass Jesus unsere Welt verändern kann.“

Namensvorschläge setzten auf das Verbindende von Religionen und Barmherzigkeit

Aber auch die anderen beliebten Namensvorschläge zeugen von einer intensiven Diskussion. So kam auch der Heilige Nikolaus als Namensgeber in Frage.

Vor allem deshalb, weil Nikolaus auch von den Türken als offener, mildtätiger und barmherziger Mensch anerkannt war. Es wäre ein Signal an die Nachbarschaft gewesen.

Hochamt in der Kirche St. Aposteln, Clemens Veltum-Straße und Fronleichnamsprozession durch die Nordstadt, Pastoralverbund Nordstadt-Ost und Katholische Missionen

Hochamt in der Kirche St. Aposteln.

Auch die Heilige Elisabeth – die Heilige der Caritas – kam mit ihren Werten der Weltverantwortung und Menschen zu helfen für die neue Großpfarrei in Frage. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Caritas in St. Joseph gegründet wurde.

Neue Gemeinde-Homepage geht Sonntag online

Am Sonntag wird die neue gemeinsame Homepage online gehen. Auch die Logos werden nach und nach an den Kirchen und Büros angebracht. Auf dem Transporter der Gemeinde ist der neue Name schon zu lesen.

Doch vor allem geht es jetzt darum, dass die einstmals selbstständigen Gemeinden zusammenwachsen. „Das braucht Zeit und macht vielen Gemeindemitgliedern Sorgen. Sie müssen loslassen.“

Doch gemeinsam könnten sie noch besser Gutes tun. „Wir müssen sehen, wo Kirche Not tut und wo Kirche Not verändern kann“, so Schocke. Das brauche eine gute Netzwerkarbeit sowie gute und starke Partner.

Die hat die katholische Kirche: Sie arbeitet mit Sozialverbänden, Gruppen und Institutionen zusammen. Natürlich sind die Sozialverbände oder auch die Caritas geborene Partner.

Doch Berührungsängste kennen sie nicht: Von „Raum vor Ort“, über die Kana-Suppenküche bis zum „Café Berta“ und dem „Gast-Haus“. Die Gemeinde ist vor allem hier aktiv, weil auch die Wohnungslosenseelsorge hier fest verankert ist.

„Wir sind aber auch mit anderen Gruppen wie zum Beispiel Avanti im Gespräch. Wir müssen immer sehen, was wir Gutes tun können zum Wohle der Menschen.“

Die Großpfarrei Heilige Dreikönige Dortmund ist personell gut aufgestellt

Das Pastoralteam der katholischen Kirchen in der Nordstadt. Foto: Dietmar Wäsche

Das Pastoralteam der katholischen Kirchen in der Nordstadt. Foto: Dietmar Wäsche

Dabei steht Schocke natürlich nicht allein: Der Leiter des Pastoralteams hat Pfarrer Martin Lohhoff an seiner Seite, der künftig als Pastor seinen Dienst in der Großpfarrei tut.

Außerdem ist hier Pastor Daniel Schwarzmann mit einer halben Stelle als Vikar in der Nordstadt-Gemeinde tätig sowie mit einer halben Stelle als Wohnungslosenseelsorger für ganz Dortmund.

Zudem gibt es drei Gemeindereferenten: Julia Brake, Karsten Haug und Jörg Willerscheidt. Außerdem bringt sich Pfarrer in Ruhe, Alfons Wiegel noch immer in die Arbeit ein.

Von der üblichen Personalausstattung der Diozöse (ein Pfarrer, ein Vikar und ein Gemeindereferent) ist man in der Nordstadt noch weit entfernt. Mit Absicht.

Denn die katholische Kirche will die Nordstadt nicht aufgeben, obwohl oder weil die Protestanten, Katholiken und Baptisten hier in der Minderheit sind.

Diözese gewährt in der Nordstadt Freiräume für neue Wege und Experimente

Caritativ-pastorales Zentrum der Pallottiner in St. Antonius Nordstadt

Für St. Antonius wird eine neue Nutzung gesucht.

„Wir können hier auch Neues wagen und auch Wagnisse eingehen. Geht das daneben, werden wir nicht gleich nach Sibirien oder ins Sauerland geschickt“, sagt Schocke lachend, der die Arbeit in der sozial wie ökonomisch schwierigen Nordstadt liebt.

„Wir werden hier oft von anderen katholischen Gemeinden belächelt. Aber was wir jetzt haben,werden die anderen Gemeinden in zehn oder 15 Jahren auch erleben“, mahnt Schocke. Nicht unbedingt, weil es dann dort auch mehr Muslime als Christen gebe, wohl aber weil sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden.

Die Kirche müsse auch zukünftig Antworten und Lebenshilfen bieten. Nicht erst seit Papst Franziskus sieht sich die Gemeinde auf dem richtigen Weg. „Wenn die Armen das Herzstück der jesuanischen Verkündigung sind, dann ist die Nordstadt das Herz der Kirche“, ist ein geflügeltes Wort innerhalb der Gemeinde geworden.

Von den Muslimen geht keine Gefahr für den christlichen Glauben aus

„Wenn ich im Ornat draußen auf dem Platz stehe, werde ich von Muslimen sehr ehrfürchtig gegrüßt. Bei Deutschen, selbst wenn sie nüchtern sind, ist das nicht unbedingt der Fall“, macht der Pfarrer den Zustand auf der Münsterstraße gewohnt plastisch deutlich.

„Die Gefahr für unseren Glauben und die Gesellschaft geht nicht von den Muslimen, sondern von den Gleichgültigen aus“, warnt Schocke.

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