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„Eh Alta…“: Wissenschaftler befassen sich mit der sprachlichen Vielfalt in Dortmund – 339 Seiten starkes „Sprach-Buch“

Stellten das Buch vor: Autor Joachim Wittkowski, Herausgeber Prof. Heinz H. Menge, Autor Dr. Markus Denkler, Kulturdezernent und Stadtdirektor Jörg Stüdemann, Hermann Josef Bausch vom Stadtarchiv und Mitautor.

Stellten das Buch vor: Autor Joachim Wittkowski, Herausgeber Prof. Heinz H. Menge, Autor Dr. Markus Denkler, Kulturdezernent Jörg Stüdemann und Mitautor Hermann Josef Bausch (Stadtarchiv). Fotos: J. vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

„Eh Alta! Du brauchs das echt für dich selba?“ Dat find ich ja stark!“ oder „Ah, Alta,  Tach! Sachma, was gibs den Neues? Hachgottja, das hab ich auch schonn gehört, das hat mich echt fertich gemacht. Waaahnsinn! Ich sach mal, habbt Ihr eigntlich was üba alternativ-ökologische Zeugunk?“ Nur zwei sprachliche Beispiele aus dem neuen Buch „Dortmund – Sprachliche Vielfalt in der Stadt“, das gerade erschienen ist.

„Gut lesbar, gut geschrieben und verständlich“

Auf 339 Seiten haben die Autoren mit den Herausgebern Prof. Heinz H. Menge und Dr. Markus Denkler ein Sprachporträt Dortmunds aus sprachwissenschaftlicher und sprachsoziologischer Sicht zusammengestellt.

„Das Opus ist gut lesbar, gut geschrieben und verständlich“, lobte Kulturdezernent und Stadtdirektor Jörg Stüdemann: „Spannend und facettenreich wird in diesem Buch die Dortmunder Sprachgewohnheit dargestellt.“ Es vermittle „etwas über die Art und Weise und wie wir kommunizieren“, meinte Stüdemann.

Drei Jahre arbeiteten 14 AutorInnen am Buch

Drei Jahre hat die Zusammenstellung des Buches gedauert. Die insgesamt 14 AutorInnen „belauschten“ die DortmunderInnen irgendwo am Gartenzaun oder im Kleingarten, ganz einfach auf der Straße, beim Einkaufen. Untersucht wurde außerdem die Verwaltungssprache. Oder die Geschichte und Entwicklung Dortmunder Straßennamen. Ergebnis: In Dortmund wird nicht nur vielerlei Deutsch gesprochen: Standarddeutsch, Ruhrdeutsch in Dortmunder Ausprägung, sondern auch verschiedene Nationalsprachen wie etwa Russisch, Polnisch, Türkisch, Arabisch.

Die plattdeutsche Sprache ist nahezu ausgestorben – „So fast as Düörpm“

Ab sofort in den Buchhandlungen zu haben: das Buch „Dortmund - Sprachliche Vielfalt in der Stadt“. Fotos: Joachim vom Brocke

Ab sofort in den Buchhandlungen zu haben: das Buch „Dortmund – Sprachliche Vielfalt in der Stadt“.

Nahezu ausgestorben ist die plattdeutsche Sprache. Das „Westfälische Wörterbuch“, so kündigte Prof. Menge an, stehe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) kurz vor dem Abschluss und werde nach der Veröffentlichung eine Lücke schließen.

Doch ein Begriff ist erhalten geblieben, der sogar in der Westfassade des alten Stadthauses eingelassen ist: „So fast as Düörpm“ – So fest wie Dortmund. Ein historischer Trutzspruch der Stadt, der 1982 zum 1100-jährigen Stadtjubiläum den BürgerInnen und BesucherInnen auf Tritt und Schritt verfolgte.

Mit der regionalen Sprache auf Dortmunder Kabarettbühnen setzt sich Joachim Wittkowski auseinander. Torsten Sträter gehört dazu, Bruno Knust, Fritz Eckenga. Wittkowski bedauert, dass es keine Tonaufnahmen von Kabarettisten aus den 30iger Jahren gebe, allenfalls noch Jürgen von Manger, dessen Sprache standardnah war.

Auseinandersetzung in vier Themenfeldern 

Auf vier Themenfelder konzentriert sich „Dortmund – Sprachliche Vielfalt in der Stadt“: Beschreibung regionaler Sprachmerkmale, Sprachverwendung in der städtischen Erinnerungskultur (Namenwortschatz, Niederdeutsch), domänenspezifische Sprachverwendung und Kommunikation (Fußball, Kabarett, städtische Verwaltungssprache) und Mehrsprachigkeit (Spracheinstellungen, visuelle Mehrsprachigkeit, Erzählungen von SprecherInnen mit Migrationshintergrund).

Ruhrgebietler versteckt gerne seinen Dialekt

Allgemeines Bedauern darüber, dass der Ruhrgebietler oft und gerne versuche seinen Dialekt zu verstecken. Ganz im Gegenteil zu Hamburgern oder Münchnern, die ganz klar zu ihrer lokalen Sprache stehen. Mitautor Hermann Josef Bausch, der, aus dem ländlichen Westerwald stammend, über Umwegen nach Dortmund gekommen ist, erklärte schmunzelnd: „Damals habe ich gesagt, wenn ich das erste Mal ,Woll’ sage, dann ziehe ich wieder weg“. Ob mit oder ohne „woll“ – Bausch ist geblieben.

Erschienen ist ein hochinteressantes Lesebuch mit sehr viel erklärtem Hintergrund. Es wendet sich an SprachwissenschaftlerInnen oder SprachsoziologInnen, doch auch stadt- und heimatgeschichtlich Interessierte werden ihre Freude daran haben. „Dortmund – Sprachliche Vielfalt in der Stadt“ ist nicht unbedingt ein Schnäppchen. Die 339 gebundenen Seiten kosten im Buchhandel 45 Euro.

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