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Drogenmißbrauch: Betroffene und Angehörige gedenken der Toten in Dortmund

Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten

Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten

Christian (Name geändert) blickt auf auf eine zwanzig Jahre währende Zeit als Drogenkonsument zurück. Als Jugendlicher ist er von zuhause ausgerissen. Sein Vater steckte ihn daraufhin in ein Heim. Mit siebzehn begann er zu kiffen, Alkohol kam dazu und letztendlich Heroin.

Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogenabhängigen an der Haltestelle Stadtgarten

Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten

Weiße Luftballons als Ausdruck der Trauer

Den Mischkonsum hat bis heute beibehalten. Das der Enddreißiger bis heute überlebt hat verdankt er Zeiten der Abstinenz vom Heroin. „Zwischendurch gab es immer Phasen in denen ich clean war“, erzählt er.

Andere schafften das nicht, ihnen gedenkt man an diesem regnerischen Montag unter dem Vordach der Stadtbahnhaltestelle Stadtgarten in unmittelbarer Nähe des Dortmunder Rathauses. Betroffene und Angehörige haben sich am Nationalen Gedenktag für die verstorbenen Drogenabhängigen dort versammelt.

Mit kleinen Gesten bekunden sie ihre Trauer über den Verlust von Freunden und Kindern. Weiße Luftballons mit den Namen der Verstorbenen oder Wünschen für die Zukunft werden in den grauen Himmel entlassen.

Neun Tote verzeichnet die Statistik für Dortmund im Jahr 2013 – weitere starben an Suchtfolgerkrankungen

Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten

Kleine Gesten zur Erinnerung an die Toten.

Zwei junge Männer beschriften weiße Kiesel mit Namen. Stauffi und Romano steht auf den Steinen, die auf dem Gedenkstein, ehemals ein Taufstein aus der Kirche in Syburg, abgelegt werden.

Neun Drogentote werden in der Statistik für das Jahr 2013 in Dortmund verzeichnet. Nicht dabei sind die zwanzig Toten, die in Folge ihres Konsums an Suchtfolgeerkrankungen, wie Leberzirrhose, Herzerkrankungen und Entzündungen gestorben sind. „ Wir haben es immer mit Zahlen zu tun“, sagt Pfarrer Andreas Bäppler, evangelischer Geistlicher am Klinikzentrum Nord. „Hinter jeder Zahl steht ein Name, eine Geschichte.“

Und das sind in der Regel Geschichten von jungen Menschen und das ist das erschütternde am Drogentod. Das Durchschnittsalter der Toten betrug 35,4 Jahre, die Alterspanne 26 bis 50 Jahre. An einer Stellwand können die Besucher der Veranstaltung Erinnerungen und Wünsche aufschreiben. Hier hängen auch einige Bilder der jungen Toten.

Die Droge „Crystal Meth“ ist glücklicherweise in Dortmund noch nicht angekommen

Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten. Birgit Castonguay, Gesundheitamt und Pastor Andreas Bäppler

Birgit Castonguay, Gesundheitamt und Pfarrer Andreas Bäppler sprechen zu den Besuchern.

„Die jüngeren Konsumenten greifen immer öfter auf aufputschende Mittel, wie Amphetamine zurück“, sieht Birgit Castonguay vom Gesundheitsamt eine Tendenz zu stimulierenden Mitteln. Wohl auch ein Ausdruck des zunehmenden Leistungsdruck in unserer Gesellschaft.

Die Droge „Crystal Meth“, ein Methamphetamin, das zu den Mitteln zählt, die einen sehr schnellen körperlichen Verfall des Konsumenten verursacht, ist in Dortmund noch nicht angekommen. „Wir hoffen, dass es so bleibt“, wünscht sich die Sozialarbeiterin. Bundesweit ist ein Rückgang der offiziellen Drogentoten zu verzeichnen.

„Die Anbauflächen für Schlafmohn auf der Welt haben sich aber erheblich vergrößert, Amerika wird zur Zeit mit billigen Heroin überschwemmt“, hat Castonguay globale Entwicklungen im Blick und warnt vor Nachlässigkeit.

Christian hofft auf eine drogenfreie Zukunft und einen Job

Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten

Tafel zum Gedenken an die meist jungen Opfer.

Christian ist immer wieder durch Schicksalsschläge rückfällig geworden, hat wegen der Beschaffung der Droge im Knast gesessen.

Da möchte er nicht wieder rein. Auf die Frage wie denn der weitere Tag für ihn aussehe, sagt er „beschissen!“ Der kurzen Antwort folgt die Erklärung dass er heute auf legale Weise das Geld für seinen Konsum durch Betteln auftreiben müsse.

„Ich hoffe dass ich hier noch zwei, drei Euro schnorren kann.“ Für seine Tagesdosis benötigt er 25 Euro, „aber auch nur, weil ich meinen Konsum stark reduziert habe.“ Er will nur stabil bleiben, „für einen Rausch reicht das nicht.“

Christian hat einen neue Partnerin gefunden, die nicht süchtig ist und eine feste Arbeit hat. „In zwei Wochen gehe ich in die Entgiftung, danach kann ich eventuell sogar einen Job bekommen“, hofft er auf eine bessere Zukunft.

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