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Die Eyüp Sultan Moschee des türkischen Kulturverein Dortmund und Umgebung e.V. ist mehr als nur Gebetsraum 

Eyüp Sultan Camii in der Haydnstraße. Foto: Dietmar Wäsche

Die Eyüp Sultan Camii in der Haydnstraße der Nordstadt. Foto: Dietmar Wäsche

1976 wurde der Türkische Kulturverein Dortmund und Umgebung – auf Türkisch: Dortmund Türk Kültür Ocağı – gegründet. Sein Zuhause fand er in der Haydnstraße 66. 1978 bezog man das Gebäude, in dem früher ein coop ansässig war. Viele Jahre wurden die Räume als schmucklose Gebetsräume und als Treffpunkt benutzt, bevor der Verein im Jahr 2007 mit einem aufwändigen Umbau der mittlerweile gekauften Immobilie begann.

„Wir waren die erste Moschee in Deutschland, die auch nach draußen zum Gebet rufen darf“

Viele Gespräche mit der Stadt Dortmund waren nötig, um das Gebäude umzuwidmen. Der Aufwand hat sich für den Verein gelohnt. Die Eyüp Sultan Moschee ist entstanden mit zwei prächtigen Gebetsräumen: einer in der 1. Etage für die Männer und einer in der 2. Etage für die Frauen. Und eine Ausnahmegenehmigung gab es schon vorher: „Wir waren die erste Moschee in Deutschland, die auch nach draußen zum Gebet rufen darf“, erinnert sich Vorsitzender Ilyas Carpisan.

Diesem Ruf folgen die 200 erwachsenen Mitglieder gerne. Vorbeter Ahmet Aldemir spricht an diesem Tag das Freitagsgebet – das wichtigste bei den Muslimen. Die Gläubigen beten auf den Knien, auf dicken, rot-gemusterten Teppichen, die nur in Strümpfen betreten werden dürfen.

Fast alle Mitglieder kommen zum Freitagsgebet – aber nicht zu allen fünf Gebeten täglich. „Das funktioniert zeitlich nicht. Viele von uns müssen schließlich arbeiten“, sagt Cengiz Tekin, der ehemalige Vorsitzende.

Die Muslime haben längst nicht mehr nur türkische Wurzeln.

Die Nähe zum Arbeitsplatz – oder auch zur Wohnung – ist der Hauptgrund, dass sich Muslime für einen Moscheeverein und dessen Gebetsräume entscheiden. Die Wege sollen möglichst kurz sein.

Die Gläubigen werden Mitglied und können ihren Verein jederzeit wieder verlassen  – etwa bei einem Umzug, aber durchaus auch bei Unstimmigkeiten. Der Türkische Kulturverein muss sich da allerdings keine Sorgen machen. „Die Nordstadt ist eine Hochburg. Hier wohnen die meisten Muslime“, sagt Cengiz Tekin.

Diese Muslime haben längst nicht mehr nur türkische Wurzeln. „Bei uns beten Marokkaner, Albaner, Somalier, Bulgaren, Ghanaer, Makedonier und Muslime aus Togo“, erzählt Cengiz Tekin. Gesprochen wird multilingual, wie Tekin es nennt: ein Mischmasch aus deutsch, türkisch, englisch, arabisch und französisch.

Dieser Nationenmix ist auch beim täglichen Fastenbrechen vertreten. An den 30 Tagen des Ramadan finden sich spätabends schon mal bis zu 200 Gäste in der Moschee ein. Bekocht werden sie von den Frauen des Vereins, die sich auch in Nähgruppen oder zum gemeinsamen Frühstück treffen.

„Moscheevereine bieten längst mehr als nur Räume zum Beten“

Denn in der Eyüp Sultan Moschee geht es nicht nur um Religion. In einem großen Raum werden Schulungen angeboten, oder Musikabende mit der Saz-Gruppe. Es gibt einen Jugendtreff und Räume, in denen alle Altersgruppen lernen, den Koran in arabischer Schrift zu lesen. Und die Teeküche hat sich zum allgemeinen Info-Treff entwickelt.

„Hierhin kommen auch viele Muslime, die Hilfe bei Amtsgängen oder dem Ausfüllen von Formularen benötigen“, sagt Ilyas Carpisan. Aber auch Hilfe für Familien oder Paare in Konfliktsituationen wird angeboten.

„Moscheevereine bieten längst mehr als nur Räume zum Beten“, sagt Cengiz Tekin. „Wir leisten auch soziale Arbeit. Aber wir haben bisher leider noch keine Lobby und bekommen deshalb auch kaum Unterstützung.“

 

HINWEIS:

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– Der Artikel von Claudia Behlau ist ein Beitrag aus dem Buch “Wir: Echt Nordstadt”.

– Das Buch mit 106 Gruppenportraits ist kostenlos beim Quartiersmanagement Nordstadt, Mallinckrodtstraße 56, 44147 Dortmund, erhältlich. (Mail: info@nordstadt-qm.de)

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