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Der DGB legt den Ausbildungsbericht 2017 vor: Jeder vierte Auszubildende in NRW erlernt nicht seinen Traumberuf

Der DGB-Ausbildungsreport 2017 für Nordrhein-Westfalen liegt auf dem Tisch.

Der DGB-Ausbildungsreport 2017 für Nordrhein-Westfalen liegt auf dem Tisch. Foto: Alex Völkel

Von Gerd Wüsthoff

„Eine gute und qualitativ hochwertige Ausbildung verbessert die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt eine reguläre, unbefristete und gut bezahlte Arbeitsstelle zu finden“ ist eines der Ergebnisse des neuen Ausbildungsreports des DGB in Nordrhein-Westfalen.

Hohe Beteiligung an Befragung – 71,4 Prozent mit Ausbildung zufrieden

DGB stellt Ausbildungsreport 2016 vor. Marijke Garretsen

Marijke Garretsen stellt Ausbildungsreport vor.

4.200 Auszubildende aus den 25 am stärksten frequentierten Ausbildungsberufen haben sich freiwillig an einer DGB Umfrage zur Qualität ihrer Ausbildung beteiligt. Ergebnis der Studie ist, dass 71,4 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden sind, allerdings bemängelt fast ein Drittel fehlende Ausbildungspläne, fehlenden oder ausreichenden Kontakt mit ihren Ausbildern oder nicht ausbildungsrelevante Einsätze.

„Man kann sehen, dass in größeren Ausbildungsbetrieben, welche auch einen Betriebsrat haben und die Belegschaft gewerkschaftlich organisiert ist, dass die Berufsausbildung besser organisiert ist“, betont die Dortmunder DGB-Vorsitzende Jutta Reiter. „Allerdings sollte man den Einsatz der Inhaber, die dann auch Ausbilder sind, in den kleinen Betrieben nicht unterschätzen!“

In dem von ihr und der DGB-Jugendsekretärin Marijke Garretsen vorgestellten Ausbildungsreport wurde in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf die Berufsschulen gelegt. Die TeilnehmerInnen an dem Ausbildungsreport wurden mit fast 50 Fragen zu unterschiedlichsten Themen befragt.

Früher gut bewertete Ausbildungsberufe erhalten mittlerweile schlechte Noten

Bei der Gesamtbewertung war auffällig, dass Ausbildungsberufe schlechte Bewertungen erhielten, welche in den Jahren zuvor nicht negativ bewertet wurden – Steuer-, Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte. In diesen Berufszweigen würden laut DGB die Azubis wie zusätzliche Angestellte oder Ersatzarbeitskräfte behandelt.

Die eigentliche Ausbildung kommt zu kurz. Zudem würden hier vom Betrieb häufig Überstunden gefordert. „Ausbildung ist kein Personalersatz!“, unterstreicht Garretsen. Gute Nachricht: Früher häufig schlecht bewertete Ausbildungsberufe schneiden dieses Mal besser ab.

Ein Kritikpunkt der Auszubildenden war, dass ihnen in einigen Betrieben weder ein Ausbildungsplan ausgehändigt wurde (36,4 Prozent) noch sie regelmäßigen Kontakt mit ihrem Ausbildungsleiter hatten (selten oder nie sagen 12,5 Prozent) – 9,3 Prozent hatten überhaupt keinen Ausbildungsleiter. „Definitiv ein Negativtrend“, betont Garretsen.

DGB: Hoher Organisationsgrad und Mitbestimmung führen zu besserer Ausbildung

„Je größer ein Ausbildungsbetrieb ist, die Mitbestimmung durch gewerkschaftliche Organisation gewährleistet ist, desto zufriedener sind die Auszubildenden“, ergänzt Reiter.

In dem Bericht des DGB fällt auch auf, dass 27,1 Prozent der befragten Azubis nicht in ihrem Wunschberuf eine Ausbildung gefunden hatten. Hier waren auch die meisten negativen Beurteilungen zu finden.

„Das sind potentielle Ausbildungsabbrecher“, merkt Reiter an. Als Ursachen dafür sehen Garretsen und Reiter die teilweise an mangelnder schulischer Vorbildung, zumeist aber an einem geringeren und weniger differenzierten Ausbildungsplatzangebot.

Weniger Azubis eingestellt – Klassenstärken an Berufsschulen sinken

Weitere Erkenntnis der Untersuchung: Die Klassengrößen haben sich an den Berufsschulen verringert. Das ist zunächst zwar positiv für die BerufsschülerInnen. Allerdings liegt das nicht etwas daran, dass mehr LehrerInnen eingestellt wurden.

Im Gegenteil: Die Zahlen der SchülerInnen sind rückläufig, weil weniger Auszubildende eingestellt wurden. Eine weitere Erkenntnis: Je besser die Berufsschulen mit ausreichendem Lehrpersonal und Lehrmitteln ausgestattet sind , desto eher fühlen sich die Berufsschüler auch fachlich gut vorbereitet.

In der Vergangenheit zeigten die Erhebungen aus den Kammern und Umfragen, dass es auch alarmierende Signale gegeben hat. So fielen in einem Ausbildungsberuf in einem Jahr mehr als zwei Drittel der Abschlussabsolventen bei der Prüfung durch, was zu Fragen nach dem Warum führte.

Hier war der DGB, unterstützt durch den damaligen Ausbildungsreport und in Zusammenarbeit mit den Kammern und Ausbildungsbetrieben, in der Lage das Problem signifikant zu lösen. „Es mangelte in diesen Fällen an qualifizierten Ausbildern, oder sie waren einfach nicht vorhanden“, so Marijke Garretsen.

Mangelnde Attraktivität bei Ausbildungsberufen ist ein Thema

„Wie bekommen wir bestimmte Ausbildungsberufe attraktiver?“, ist eine Fragestellung so Garretsen, welcher der DGB  mit den Betrieben und Kammern zu klären sucht. Besonders schlecht werden erneut die Jobs in Hotel und Gastronomie bewertet.

Um dort gegenzusteuern, müssten ausbildungsfremde Tätigkeiten vermieden werden. Auszubildende dürften zudem nicht als Vollzeitkraft eingesetzt werden und Arbeitszeiten sollten flexibler gestaltet werden könnten.

Aus dem Ausbildungsreport geht allerdings auch hervor, dass sich 31,8 Prozent der befragten Auszubildenden im aktuellen Report unterfordert fühlen – das merkte ein Viertel der angehenden Lagerlogistiker und 20 Prozent der Industriekaufleute an. Doch nicht allen Azubis fällt die Ausbildung leicht: Mehr als ein Viertel fühlt sich überfordert.

Präsenz von AusbilderInnen ist ein entscheidender Faktor für die Zufriedenheit

Die Gewerkschaftsjugend schlussfolgert aus dem Ausbildungsreport 2017: „Der Erfolg in der Ausbildung und die Zufriedenheit der Auszubildenden ist maßgeblich abhängig von der Präsenz und der Behandlung durch die AusbilderInnen. Auch hier bedarf es Ergänzungen der gesetzlichen Grundlagen bei der anstehenden Novellierung des Berufsbildungsgesetzes.“

Für die Berufe im Bereich der Gastronomie (Hotel, Restaurants, etc.) laut DGB bedarf es allerdings auch der breiteren Akzeptanz und Anerkennung durch den Gast. Im Fall der Pflegeberufe (Krankenpflege, Altenpflege) ist eine breitere gesellschaftliche und gesetzgeberische Anerkennung von Nöten.

Während es sich im ersten Fall (Hotellerie, Gastronomie) um das Freizeitverhalten dreht, ist es im Fall der Pflegeberufe eine gesellschaftliche Notwendigkeit ist.

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