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Demo von mehr als 50 Organisationen in der Dortmunder City: „Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt“

Demonstration unter dem Motto: ‚Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt‘. Foto: Leopold Achilles

Die Demo stand unter dem Motto ‚Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt‘. Fotos: Leopold Achilles

Von Claus Stille (Text) und Leopold Achilles (Fotos)

Am Initiative der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände fand am Freitag  eine Demonstration unter dem Motto „Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt“ statt. Sie führte vom Rathaus auf dem Friedensplatz durch der Dortmunder City bis zu den Katharinentreppen vor dem Hauptbahnhof.

Frauenprotest als Warnung vor weiteren sexuellen Übergriffen bewusst in die Karvevalszeit getragen

Demonstration unter dem Motto: ‚Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt‘. Foto: Leopold Achilles

Gegen eine rassistische Aufladung der Proteste wandten sich die TeilnehmerInnen.

Ein breites Bündnis von mehr als 50  Dortmunder Organisationen (Frauenverbände, aber auch Beratungsstellen, Organisationen von Migrantinnen und Migranten, Hochschulen, Mitglieder von  Parteien, Gewerkschaften sowie das Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund waren involviert) hatte dazu aufgerufen.

Etwa 200 Frauen waren gekommen, um gegen sexuelle Gewalt zu protestieren. Auch Männer unterstützten den Protest. Auf der Rathaustreppe wurde unter lautem Skandieren von „Nein heißt nein, nein heißt nein“ auf Töpfe und Topfdeckel getrommelt.

Die Demo war gezielt in die Karnevalszeit gelegt worden: Vor dem Hintergrund sexueller Übergriffe in der Silvesternacht Köln, aber auch anderer Städte – darunter Dortmund – sollte der Frauenprotest eine  Warnung vor weiteren sexuellen Übergriffen aussenden.

Justine Grollmann: Kein Fest dürfe für Männer als Anlass dienen, „übergriffig“ zu werden

Zunächst richtete Justine Grollmann von der Arbeitsgemeinschaft der Dortmund Frauenverbände das Wort an die auf dem Friedensplatz versammelten Menschen.

„Wir sind wütend“, rief Justine Grollmann ins Mikrofon und nannte als Grund die sexuellen Übergriffe in verschiedenen deutschen Großstädten in der vergangenen Silvester- und Neujahrsnacht.

Es sei unglaublich, „dass sich so viele Männer, vermutlich sogar abgesprochen, sich zusammengetan haben, um die Feierstimmung auszunutzen, um die Frauen zu bedrängen, zu begrapschen und sexuell zu nötigen“.

Grollmann machte unmissverständlich klar: „Da hört der Spaß für uns auf. Nein zu sexueller Gewalt!“ Kein Fest dürfe für Männer als Anlass dienen, „übergriffig zu sein“.

Eindringlicher Appell: Kein Generalverdacht gegen Flüchtlinge oder Migranten insgesamt

Demonstration unter dem Motto: ‚Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt‘. Foto: Leopold Achilles

Die TeilnehmerInnen verlangten eine Reform des deutschen Sexualstrafrechts – es müsse endlich EU-Standards angepasst werden.

„Wir Frauen verlangen Respekt“, fuhr Grollmann fort und stellte jedoch klar, selbst wenn Migranten oder Flüchtlinge unter den Tätern von Köln seien, keinem „Generalverdacht gegen Flüchtlinge“ das Wort reden zu wollen.

Betroffen seien die Frauen darüber von Fachleuten hören zu müssen, „dass die allermeisten sexuellen Übergriffe nach derzeitigem deutschen Recht nicht strafbar sind“.

Das deutsche Sexualstrafrecht, forderte Grollmann, „muss endlich reformiert und den internationalen EU-Standards angepasst werden“.

Dabei geht es um den Paragraphen 177. Die Täter müssten ohne Ansehen der Person und Herkunft ermittelt und hart bestraft werden, so Justine Grollmann vor dem Dortmunder Rathaus. Opfer sexueller Straftaten sollten von den Sicherheitsbehörden „respektvoll behandelt“ werden.

Ihre Forderung an die Politik: „Baut die Beratungsstellen und die  Frauenhäuser aus, sichert deren Finanzierung!“

Sexualstrafrecht: OB Ullrich Sierau wirbt für eine Reformierung des § 177

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau als Schirmherr der Demonstration unterstützte in seinem Redebeitrag eine Reformierung des § 177, wies jedoch gleichzeitig daraufhin, dass die entsprechende Rechtsetzung dem Deutschen Bundestag obliege.

Dem Bundesjustizminister zufolge seien diesbezüglich wohl einige Anläufe genommen worden. Die hätten nur „im Bundestag keine Mehrheit gefunden“. Sierau: „Das sollte sich jetzt einmal ändern.“

Man werde aber im Dortmunder Rat „eine an den Bundestag gerichtete Resolution vorbereiten, um jetzt endlich mal zu einer veränderten Rechtslage beizutragen“.

Der OB appellierte an den anwesenden Bundestagsabgeordneten Thorsten Hoffmann (CDU), zu einer Beförderung dessen beizutragen. Diese Übergriffe, unterstrich Sierau, „sind kein Kavaliersdelikt“.

Kritik an populistischer Instrumentalisierung der Vorfälle

Man dürfe auch nicht zulassen, dass die schlimmen Ereignisse der Kölner Silvesternacht für rechtsextreme oder rechtspopulistische Ansichten instrumentalisiert werden. Damit diese Kräfte „ihr politisches Süppchen darauf  kochen“.

Auch seien Politiker, die das jetzt täten, welche in der Vergangenheit nicht gerade  damit aufgefallen seien, sich für Frauenrechte einzusetzen, nicht besonders glaubwürdig. „Darauf können wir verzichten!“, sagte Ullrich Sierau unter dem Beifall der Demonstranten.

Elaine Yousef (VMDO) trat für „Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ein

Demonstration unter dem Motto: ‚Da hört der Spaß auf! Nein zu sexueller Gewalt‘. Foto: Leopold Achilles

Gegen Gewalt in jedweder Form traten die TeilnehmerInnen der Demonstration ein.

Elaine Yousef, Vertreterin der Palästinensischen Gemeinde Dortmund e.V.  im VMDO (Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V.) rief ins Bewusstsein, dass „sexuelle Gewalt, egal von wem begangen. tagtäglich in unserer Mitte“ stattfindet.

Dies sei „eine Grenzverletzung, die von uns keinesfalls toleriert wird und die den Menschen in seiner Würde verletzt“. Der VMDO lehne Gewalt in jeglicher Form ab, machte Elaine Yousef klar.

„Wir treten für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ein!“ Sie verlieh ihrem Wunsch Hoffnung, „dass dieser Marsch zu  einem Zeichen wird, für eine Abkehr von Gewalt und Ausgrenzung“.

„Mein Körper gehört mir“, sagte Elaine Yousef, „dass habe ich von meiner Tochter gelernt, und die hat das vor Kurzem in der Schule gelernt“.

Sprechchöre: „Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“ 

Unmittelbar nach diesem letzten Redebeitrag am Rathaus setzte sich der Demonstrationszug vom Rathaus durch die City  in Richtung Katharinentreppe gegenüber dem Hauptbahnhof in Bewegung.

Dort fand die Abschlusskundgebung statt. Die Frauen verteilten unterwegs Flyer an Passanten. Die Demonstrantinnen skandierten: „Sexuelle Übergriffe, keine Chance, laute Pfiffe“. Der Dortmunder Oberbürgermeister lief in der zweiten Reihe mit.

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