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Das neue Grün für Dortmund wächst auf dem Dach – Eine Pflicht zur Dachbegrünung stößt auf ein geteiltes Echo

Auf vielen gewerblichen Neubauten ist Dachbegrünung schon berücksichtigt.

Auf vielen gewerblichen Neubauten ist Dachbegrünung schon berücksichtigt.

Es grünt so grün – nicht nur in den Dortmunder Parks und Gärten, sondern bald auch auf den Dächern der Stadt. Die Stadtspitze hat jetzt die Vorlage „Dachbegrünung in Dortmund“ auf den Weg durch die politischen Gremien geschickt. Bis zur Ratssitzung im November 2017 sollen Ausschüsse und Bezirksvertretungen sich mit den Vorschlägen befassen. Vorgesehen ist, künftig dort, wo es möglich ist, auf Flachdächern oder nur leicht geneigten Dächern entsprechendes Grün anzupflanzen.

Die Stadtspitze sieht die Dachbegrünung als lohnende Investition

Grundlagen für die neuen Grün-Pläne in luftiger Höhe finden sich in einem Strategiepapier zum Thema „Dachbegrünung im Revier“, das in einem Arbeitskreis der Revierkommunen unter Federführung der Stadt Dortmund erarbeitet worden ist. Die beteiligten Kommunen kommen darin zu dem Ergebnis, dass die Begrünung von Dächern einen wirkungsvollen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz, zur Verbesserung der Gesundheit, zur Klimaanpassung, zur Regenwasserrückhaltung, zur Verbesserung der Luftqualität und zur Aufwertung des Stadtbildes leisten kann.

Deshalb soll auch in der Westfalenmetropole der Anteil an begrünten Dächern nachhaltig gesteigert werden. Die Stadt will die Grüngestaltung der Dächer mehr als bisher in den Blickpunkt des öffentlichen Bewusstseins rücken: So sollen unter anderem die bisherigen Anstrengungen zur Beratung, Aufklärung und Information von Bauträgern, Investoren und Architekten noch weiter ausgebaut werden.

„Nur durch die Mitwirkung einer breiten Öffentlichkeit an den Maßnahmen der Dachbegrünungen und ihrer Identifizierung damit kann langfristig die Dachbegrünung zum Regelfall werden“, betont Planungsdezernentin Ludger Wilde.

Vorschrift soll nicht nur für Neubaugebiete gelten

Bei den Beratungen soll in Zukunft der Tatbestand, dass Dachbegrünung eine lohnende Investition sein kann, verstärkt berücksichtigt werden. Das Sparpotenzial und die Fördermöglichkeiten sollen in der Öffentlichkeitsarbeit mit allen Beteiligten stärker als bisher herausgestellt werden.

Im Rahmen der Bürgerbeteiligungen bei der Aufstellung von Bebauungsplänen soll ein besonderes Augenmerk auf begrünte Dächer gelegt werden. „Hier“, so das Strategiepapier, „bietet sich am ehesten die Gelegenheit, Dachbegrünungsmaßnahmen im breiten Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.“

Das planungsrechtliche Instrumentarium zur Umsetzung einer Dachbegrünung soll ausgeschöpft werden. Soll heißen: Bei neuen Bebauungsplänen wird eine Begrünung für Flachdächer oder leicht geneigte Dächer von vornherein festgesetzt, also ein Stück Normalität werden. Auch bei der Überplanung bereits bestehender Gebiete oder bei Bebauungsplänen, deren Planbereich vom Klimawandel beeinträchtigt ist, könnten künftig Dachbegrünungen bei Um- und Neubauten nachträglich vorgeschrieben werden.

Klimaverbesserungen durch grüne Dächer bieten sich auch für sogenannte „Hitzeinseln“ an. Das sind Bereiche, in denen sich durch besonders dichte Bebauung die Wärme staut. Das trifft auf die Dortmunder City aber auch auf die Ortskerne einiger Stadtteile zu.

Auch auf den Dächern der neuen Berufskollegs und von Thyssengas ist dies der Fall.

Auch auf den Dächern der neuen Berufskollegs und von Thyssengas ist dies der Fall.

Kritik von FDP/Bürgerliste: Zu viel Verpflichtungen

Die Vorschläge zu den grünen Dachgestaltungen sollen in den nächsten Monaten ausführlich diskutiert werden. Erste Stimmen Pro und Kontra gibt es schon.  Die Fraktion FDP/Bürgerliste übt beispielsweise heftige Kritik an den Plänen zur Dachbegrünung bei Neubauten.

Dr. Thomas Reinbold (Bürgerliste): „Wir sprechen uns eindeutig gegen eine solche Verpflichtung aus. Als gebe es nicht schon genug Bauvorschriften.“ Wobei die FDP/Bürgerliste nicht grundsätzlich gegen Dachbegrünungen ist. „Eine Dachbegrünung ist an sich vollkommen unproblematisch und hat durchaus positive Aspekte“, so Reinbold.

„Allerdings sind wir der Meinung, dass es keiner neuen Pflicht bedarf, um Menschen davon zu überzeugen. Es müssen nicht immer neue Vorschriften her,“ ergänzt Lars Rettstadt (FDP). „Mit einem durchdachten Förderprogramm dürften zusätzliche Anreize geschaffen werden. Auch das ist Teil der politischen Arbeit.“ Die Fraktion will einen Antrag dazu im zuständigen Ausschuss einreichen, um deutlich zu machen, dass eine verpflichtende Regelung nicht im städtischen Interesse ist.

Mit Freude nimmt hingegen Hendrik Berndsen, baupolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, die Pläne zum Ausbau der Dachbegrünungen auf: „Die Themen Klima, Grün und Wasser haben für die Siedlungs- und Freiraumentwicklung in Dortmund eine besondere Bedeutung“, so Berndsen. „Eine ausgeweitete Begrünung von Flachdächern und flach geneigten Dächern in Dortmund kann einen signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeit in dieser Thematik leisten.“

SPD ist für den Plan: Dachgrün kühlt zu heißes Stadtklima ab

Die zunehmende Versiegelung von Flächen innerhalb der Stadt und eine stetig anwachsende Abwärme durch Wohnraumheizung, Industrie und Verkehr hätten zu einer immer weiter voranschreitenden Aufheizung des Stadtklimas beigetragen, so Berndsen.

Es seien innerstädtische Bereiche entstanden, in denen die Temperaturunterschiede gegenüber der städtischen Peripherie im Sommer bis zu 10 Grad plus betragen können. Generell gelte: Grünflächen und Parks können einen Großteil (bis zu 80 %) der eingestrahlten Energie wieder ausgleichen, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe der Verdichtungsräume befinden.

„In den dicht besiedelten Bereichen Dortmunds sind freie Grünflächen aber häufig überhaupt nicht vorhanden. Die Dachbegrünung bietet hier eine gute Kompensation für Freiflächen, die durch Wohnungsbau oder Infrastrukturmaßnahmen verloren gegangen sind. Eine Dachbegrünung kann die Situation und das innerstädtische Klima in diesen Bereichen deutlich verbessern und gerade die heiße und trockene Sommerluft merklich abkühlen und anfeuchten“, erklärt Hendrik Berndsen.

Auch in Hochwassergebieten könne eine Ausweitung der Dachbegrünung einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung leisten. Ein großer Teil des Wassers verdunstet bei begrünten Dächern und wird so dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zugeführt. Das restliche Wasser wird langsam in die dann entlasteten Kanalsysteme abgeleitet.

„Im Rahmen der Abwassergebühren wird eine Dachbegrünung deswegen in Dortmund bereits jetzt als Maßnahme zur Wasserreduktion anerkannt und die Gebühren könnten im Falle einer Dachbegrünung sinken“, argumentiert der baupolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion.                                                                                                      (HBS)

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3 Gedanken über “Das neue Grün für Dortmund wächst auf dem Dach – Eine Pflicht zur Dachbegrünung stößt auf ein geteiltes Echo

  1. Markus Jaschke

    Es ist sehr sinnvoll die Dachbegrünung in Dortmund zu Pflicht zu machen! Habe mich intensiv mit dem Thema befasst. Wenn man es weiterdenken würde, wäre die Nutzung der Dächer auch zum Gemüsebau sehr gut geeignet. Weltweite Beispiele dazu gibt es ausreichend! Vertikale Landwirtschaft hatte sehr gute Chancen auch in Deutschland. Dortmund könnte in dem Bereich Vorreiter werden.
    Es ist allerdings nicht verwunderlich das sich die FDP dagegen ausspricht. Diese Partei hat sowieso nur den Niedergang von NRW im Sinn. Siehe Koalitionsvertrag : Klimaschutz in NRW lockern und aufzuheben!
    Ich hoffe das sich die Vernunft durchsetzt und nicht dummes Babla !

  2. Theo Selders

    Eine Dachbegrünung bringt so viele Vorteile nicht nur für die Gemeinschaft,sondern auch für den Bauherren.
    Nicht nur die,im Artikel beschriebenen Vorteile,sondern auch die doppelte bis dreifache Lebensdauer der Dachabdichtung,sowie die innerstädtische Bienenweide und das Grün und die Blüten für die Seele.
    Deshalb hat die Firma KlimaDach.eu ein neues Selbstbaupaket entwickelt. Einfach die 40×60 cm großen Elemente nebeneinander auslegen,wässern und fertig. In wenigen Monaten blüht es dann auf dem,fast pflegefreien Gründach.
    Das Ganze ist auch noch sehr preisgünstig und noch einfacher zu verlegen.
    Auf Wunsch auch gerne mit Finanzierung.

  3. CDU-Fraktion

    CDU gegenverpflichtende Dachbegrünung

    Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund wehrt sich gegen die Pläne der Stadt Dortmund, bei Neubauten und Sanierungsvorhaben an Dächern eine verpflichtende Dachbegrünung vorzuschreiben. Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion Uwe Waßmann kritisiert, dass man das Thema potenziellen Bauherren zur „Zwangsauflage“ machen will.

    
„Es ist inakzeptabel, dass man quasi aus dem Nichts eine Regelung schaffen will, die zum Beispiel junge Familien beim Bau ihres ersten Eigenheims zwingen will, ihr Dach zu begrünen. Diese Zwangsbeglückung lehnen wir ab“, sagt Waßmann. „Man hat dieses Thema bisher kaum in der Öffentlichkeit vorgestellt oder beworben. Jetzt per Zwang Fakten schaffen zu wollen, ist keine angemessene Vorgehensweise und mit uns so nicht zu machen“ so Waßmann weiter.

Die CDU-Fraktion wird in der kommenden Ausschusssitzung einen Antrag einbringen, in dem sie vorschlägt, das Thema Dachbegrünung für beispielsweise zwei Jahre offensiv in Form einer „Kampagne“ zu bewerben, um eine freiwillige Bereitschaft bei den Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zu erreichen.

    
„Wir halten viel davon, frei und selbst zu bestimmen, was man auf seinem Haus haben möchte. Es ist durchaus so, dass die CDU den Nutzen von Dachbegrünung sieht und dies ein Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas sein kann. Aber wir können nicht akzeptieren, dass man sofort mit der Keule kommt und den Bauherren eine weitere Zwangsmaßnahme auferlegt. Man sollte überzeugen anstatt zwingen, das erhöht die Akzeptanz. Dann kann es auch ein Erfolg werden. Es ist doch z.B. auch zu fragen, was geschieht, wenn jemand einen Bauantrag stellt, aber eine Dachbegrünung nicht will? Bekommt er dann keine Baugenehmigung? Ich halte das juristisch für äußerst fragil“, so Waßmann weiter.

    Die CDU wirbt daher dafür, eine Kampagne zu starten und ebenso Fördergelder bereitzustellen. „Das kann in Zusammenarbeit mit der Emschergenossenschaft oder auch dem Lippeverband geschehen“ schlägt Waßmann vor.

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