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Bericht „Die aufsuchende Elternarbeit“ zeigt veränderte Bedarfe: Überforderung als Hauptproblem für Familien

Die Stadt stellte jetzt den zweiten Bericht zur aufsuchende Elternarbeit vor. Foto: Alex Völkel

Die Stadt stellte jetzt den zweiten Bericht zur aufsuchende Elternarbeit vor. Foto: Alex Völkel

Die gestiegene Zahl der Flüchtlingsfamilien und die  (Armuts-) Zuwanderung aus Südosteuropa stellen die Stadt Dortmund auch auf dem Feld der Gesundheits- und Familienfürsorge vor neue Herausforderungen. Das geht aus dem Bericht „Die aufsuchende Elternarbeit“ hervor, der nach 2010 zum zweiten Mal vorgestellt wird.

Sprachbarrieren und Unkenntnis über das deutsche Gesundheitssystem 

HausbesucheDas Gesundheitsamt hat darin zusammengetragen, wie sich die Arbeit mit und für Familien in Dortmund seit 2010 verändert hat.  2012 wurde das Bundeskinderschutzgesetz verabschiedet. Gemeinsam mit vielen kooperierenden Partnern hat sich das Gesundheitsamt den neuen Herausforderungen gestellt.

Vielen neu zugewanderten Familien ist das deutsche Gesundheitssystem nicht bekannt, sie kommen aus anderen Kulturkreisen und sprechen nicht oder nicht ausreichend deutsch, berichtet Sozialdezernentin Birgit Zoerner.

Rumänische und bulgarische Familien seien zudem häufig nicht krankenversichert, so dass ärztliche Leistungen selbst bezahlt werden müssten und Schwangere keinen Anspruch auf  Vorsorgeuntersuchungen oder Hebammenbetreuung hätten.

Familien, die in Deutschland Asyl beantragt haben, sind häufig aufgrund schlimmer Erlebnisse auf ihrer Flucht traumatisiert. Diese Familien bedürfen einer besonderen Fürsorge.

Deutlich mehr Hausbesuche pro Familie: Steigerung um 400 Prozent

Die Anzahl der zu betreuenden Familien ist von 2011 (148 Familien) bis 2015 (180 Familien) nur leicht angestiegen. Dagegen stieg die Anzahl der Hausbesuche um das Vierfache: von 455 Besuchen im Jahr 2011 auf 2142 Besuche im Jahr 2015. Das zeigt, dass die betreuten Familien Bedarf an einer längerfristigen, intensiven Begleitung haben.

Überforderung“ ist in den meisten Fällen (69 Prozent) der Grund für die Betreuung – dieser Grund hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen (2013: 49 Prozent). „Wir versuchen, die Familien aufzufangen. Die Besuche haben schon deutlich zugenommen“, erklärt Dr. Renate Breidenbach, Leiterin des Gesundheitsdienstes für Kinder- und Jugendliche im Gesundheitsamt. Ein Besuch pro Woche für jeweils eine Stunde reiche nicht, selbst wenn die Familie gebrochen Deutsch spreche.

„Daher müssen wir mit Bildmaterial arbeiten. Wir sprechen über Ernährung, Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Dadurch ist der Bedarf innerhalb der Familien gestiegen“, so Breidenbach.

Von schwangeren Teenagern bis zu Neugeborenen mit Behinderung

BetreuungsgründeDie Familien, die die fünf Mitarbeiterinnen begleiten, haben es in sich: Sie begleiten Familien mit Belastungen: Dazu gehören schwangere Minderjährige sowie Familien, deren Neugeborene mit Behinderung geboren wurden oder als Frühchen zur Welt kamen.

Die Betreuung erfolgt zu Hause – das Angebot soll so niederschwellig wie möglich sein, verdeutlicht Melanie Korus. Sie ist in Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, die in der aufsuchenden Elternberatung arbeitet.

Die aufsuchende Arbeit ist wichtig: „Viele Familien schaffen gar nicht den Weg nach draußen.“ Die Mitarbeiterinnen bauen Vertrauen auf und bieten Hilfen an. Außerdem begleiten sie auf Wunsch auch zu Kinderärzten.

Ab April wird es neben der kostenlosen Sprechstunden für Schwangere und nicht krankenversicherte Kinder zusätzlich eine Familiensprechstunde im Gesundheitsamt geben – immer donnerstags von 14 bis 18 Uhr.

Aufsuchende Arbeit gibt es in Dortmund seit über 15 Jahren

Bereits seit 2001 existiert in Dortmund das aufsuchende Beratungsangebot für Familien mit besonderem Bedarf. Die Vermittlung erfolgt über Kooperationspartner, z.B. Jugendhilfedienste, Ärzte oder die Kinderklinik. Im Jahr 2007 ging auch das Präventionsprojekt „Starthilfe“ in Kooperation mit Jugendamt und Kinderklinik an den Start.

Mitarbeiterinnen der aufsuchenden Elternberatung besuchen Eltern schon in der Klinik, sofern die Eltern das wünschen. Ziel ist es, Familien mit besonderem Bedarf so früh wie möglich zu erreichen. Die Begleitung und Betreuung der Familien erfolgt freiwillig.

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