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Aus Hobby wurde für Ferdinand Laudage ein Beruf: „Ein anständiges Bier kriegt jeder hin – auch in der eigenen Küche“

Ferdinand Laudage braute jahrelang nur für sich – Jetzt bringt er seine Leidenschaft anderen näher

Ferdinand Laudage braute jahrelang nur für sich – Jetzt bringt er seine Leidenschaft anderen näher.

Von Susanne Schulte (Text) und Oliver Schaper (Fotos)

Nach einem zweieinhalbstündigen Beisammensein mit Ferdinand Laudage in der alten Backstube seines Opas an der Soester Straße ist man wie besoffen. Dabei wurde kein Schluck Bier getrunken. Nur über Bier geredet. Das macht der Dortmunder mit einer derartigen Leidenschaft, dass man den Gerstensaft ständig auf der Zunge schmeckt. Ferdinand Laudage braut Bier, trinkt Bier und gibt Seminare, wie man Bier macht. Und er macht allen AnfängerInnen Mut: „Ein anständiges Bier kriegt jeder hin, auch in der eigenen Küche.“

Ferdinand Laudage braute jahrelang nur für sich – Jetzt bringt er seine Leidenschaft anderen näher

Dann legt er los, dass man mit dem Schreiben kaum nachkommt, erklärt den Unterschied zwischen obergärig Bieren wie Alt und Kölsch und Weizen und den untergärigen wie Pils und Export. Das alles hat mit der Hefe zu tun. Die eine entfaltet ihre Wirkung an der Oberfläche, die andere unten im Braugefäß.

Das ist selbstverständlich in der Brauwissenschaft alles viel komplexer, aber für den Laien empfiehlt er mit dem obergärigen Bier anzufangen: „Die Hefe fühlt sich wohl bei Zimmertemperatur.“

Für ein Pils – „Das ist schon champions league“ – brauche man ein ausgefeiltes Kühlsystem. Das Bier, das er mit seiner SeminarteilnehmerInnen braut, lagert gut im Bottich in der Küche und schmeckt immer anders. Kein Wunder: Gibt es doch 250 Hopfensorten, viele Hefestämme und viele Gerstensorten.

Die Bieragentur bietet vieles an: Seminare und Verkostungen, Beratungen und Biergeschichte

Bier hat Ferdinand Laudage schon immer gerne getrunken und sich 2013 als Hobbybrauer versucht. Das klappte und schmeckte gut und im Jahr drauf startete er mit seinen Freunden Markus Maurer, der ist immer noch dabei, und Christian Wolf, der hat mittlerweile ein eigenes kleines Unternehmen gegründet, als Bieragentur Dortmund.

In Gaststätten dozieren sie über Bier, lassen die Gäste probieren, welches der Biere gut zum Essen passt, laden zu Brauseminaren in geeigneten Seminarräumen ein, referieren über Biergeschichte und beraten Supermärkte mit Getränkemärkten, wie man die Kundschaft fürs Craft Beer, also fürs handgemachte Bier begeistern kann. „Wenn du wirklich Spaß daran hast, kommst du nicht mehr davon weg.“

An einem Brautag braucht man Zeit und die richtigen Geräte – Einiges findet sich im Küchenschrank

Autodidakten, die nicht auf Tipps verzichten wollen, finden die komplette Anleitung von den Geräten bis zu den Zutaten in seinem Buch „Craft Bier – einfach selber brauen“ verständlich und nachvollziehbar beschrieben. Acht Stunden Zeit an einem Brautag muss haben, wer sein Bier selber macht.

Die Ausstattung mit Geräten ist überschaubar. 200 Euro kosten Einkochtopf oder Glühweintopf mit Hahn, Läuterbottich und Läuterspirale, Holzlöffel, Messbecher, Bierwürzespindel und Spindelzylinder.

Wer einen Einkochtopf hat, muss nur für 100 Euro einkaufen gehen. Für das geschrotete Gerstenmalz „nur kein Mehl daraus machen“, Hopfen und Hefe gibt man weniger als 20 Euro aus, berechnet für 20 Liter Bier.

Der erste Schluck des Selbstgebrauten muss aus einem Probierglas genossen werden

Ist der Brautag beendet und die Hefe am nächsten Morgen im Topf, beginnt die Gärung. Die kann fünf bis 14 Tage dauern. Dann wird das Bier in Flaschen gefüllt. „Das Bier schmeckt dann nach sechs Wochen Lagerung am besten. Aber selten schafft man es, so lange zu warten“, sagt Laudage.

„Weizen kannst du problemlos schon nach zwei Wochen trinken.“ Wer kein Weizen abgefüllt hat und somit eine längere Durststrecke vor sich hat, muss sich die Wartezeit nicht mit Grübeln vergällen. „Bier wird’s immer“, verspricht der versierte Hobbybrauer.

Und rät davon ab, den ersten Schluck direkt aus der Flasche zu nehmen: „Bloß nicht. Der gehört ins Probierglas. Sonst schmeckt man nichts richtig. Den Rest kann man dann aus der Flasche trinken.“ Seine SeminarteilnehmerInnen kommen nach einigen Wochen zum Nachtreffen zusammen, um das Bier zu verkosten.

Ohne eine formlose Brauanzeige beim Zoll darf niemand die Maische ansetzen

Was man auf keinen Fall vergessen darf, ist: eine Brauanzeige ans Zollamt zu schicken. 200 Liter im Kalenderjahr darf jeder zuhause brauen. Wird’s mehr, muss man die Biersteuer bezahlen.

Ferdinand Laudage muss immer zahlen. „Brauen zu Demonstrationszwecken kostet vom ersten Liter an.“ So schickt er nach jedem Seminar 2,04 Euro per Post ans Zollamt.

Dass das private Bierbrauen überhaupt möglich sei, so erzählt er, habe man Jean Pütz, dem Vater der Hobbythek zu verdanken. Bevor dieser in einer seiner Sendungen das Selbstgebraute vorstellte, musste der WDR mit dem Staat über die Bierverordnung verhandeln, die daraufhin gelockert wurde. Ja, dann Prost!

Wie’s richtig geht, steht ausführlich im Buch – Die schnellsten LeserInnen bekommen es kostenlos

Wer nun Durst aufs Bier eigener Herstellung bekommen hat und sich vorher ausgiebig kundig machen möchte, kann nach dem Lesen dieses Berichts eine Mail an die Nordstadtblogger schicken. Die ersten fünf, die uns nach Erscheinen des Artikels schreiben (bitte vollständigen Namen und Postadresse angeben), erhalten sein Buch „Craft Bier – einfach selber brauen“ kostenlos. Hier die Mail-Adresse: info@nordstadtblogger.de

 

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