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Würdigung für Otto Meinecke: Eine neue Straße am Dortmunder U erinnert an ein homosexuelles Nazi-Opfer

Einweihung Otto Meinecke Straße am Dortmunder U durch die Bezirksvertretung Innenstadt-West. Mitglieder der BV und Slado enthüllen das Schild

Einweihung der Otto-Meinecke-Straße am Dortmunder U durch Mitglieder der BV Innenstadt-West und Slado.

Von Joachim vom Brocke

Einen schwulen Namensgeber hat die schmale Straße erhalten, die hinter dem neuen Robert-Schuman-Berufskolleg nach rechts von der Ritterstraße abbiegt und auf die Brinkhoffstraße mündet: Otto-Meinecke-Straße.

Dortmund ist die bundesweit einzige Stadt, die einem homosexuellen Opfer gedenkt

Einweihung Otto Meinecke Straße am Dortmunder U durch die Bezirksvertretung Innenstadt-West. So sieht die anwohnerfreie Straße aus

So sieht die anwohnerfreie Straße aus.

Otto Meinecke wurde am 13. Juli 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen wegen seiner Homosexualität erschossen. Er  wurde 61 Jahre alt. 75 Jahre nach seinem Tod hat nun die Stadt Dortmund eine Straße nach ihm benannt.

Ein Stolperstein wurde bereits 2012 vor dem ehemaligen Wohnhaus von Otto Meinecke an der Kleppingstraße 2 eingelassen.

Für Frank Siekmann von Slado (Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen und Transidentenvereine und -initiativen) ist Dortmund die bundesweit einzige Stadt, die in dieser Form an einen in der NS-Zeit verfolgten homosexuellen Bürger erinnert und eine Straße nach ihm benennt.

Runder Tisch zur Förderung der Emanzipation und Akzeptanz ergriff die Initiative

Einweihung Otto Meinecke Straße am Dortmunder U durch die Bezirksvertretung Innenstadt-West. Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß

Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß (rechts).

Die Benennung der Straße geht auf eine Initiative des Runden Tisches zur Förderung der Emanzipation und Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transidenten in Dortmund und Slado e.V. zurück. Von Slado wurden im Vorfeld verschiedene Bezirksvertretungen in Dortmund angeschrieben.

Die Bezirksvertretung Innenstadt West um Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß griff den Vorschlag auf und beschloss, die Straße hinter dem Dortmunder U nach Otto Meinecke zu benennen. Die fachliche Begleitung erfolgte durch den Arbeitskreis Geschichte.

Dem 1880 in Witten geborenen Otto Meinecke, der 1942 im KZ Sachsenhausen einer gezielten Mordaktion an homosexuellen Männern zum Opfer fiel, wurde damit ein würdiges Andenken zuteil.

„Meinecke und die Otto-Meinecke-Straße sollen“, so Frank Siekmann, „stellvertretend stehen für die Erinnerung an viele andere homosexuellen Männer, die während der NS-Zeit drangsaliert und/oder getötet wurden“.

Jürgen Wenke von der Rosa Strippe erforschte den Lebensweg von Otto Meinecke

Einweihung Otto Meinecke Straße am Dortmunder U durch die Bezirksvertretung Innenstadt-West. Recherchierte zu Otto Meinecke: Jürgen Wenke, Rosa Strippe

Jürgen Wenke von der Rosa Strippe.

Jürgen Wenke vom Bochumer Verein Rosa Strippe erforschte den Lebensweg von Otto Meinecke, von dem keine Fotos überliefert sind.

1884 zog die Familie von Dortmund zur Rheinischen Straße 93. Der Vater betrieb eine Feilen-Fabrik in der Münsterstraße 257.

Otto Meinecke selbst wohnte – nach mehreren Umzügen – zuletzt als Kaufmann und Fabrikant ab 1940 in der Kleppingstraße 2. Wann und weshalb Polizei und Gestapo erstmals gegen ihn ermittelten, ist unbekannt.

Fest steht, dass er Anfang 1942 ins KZ Sachsenhausen bei Berlin verschleppt wurde. Er wurde dem bei den Häftlingen gefürchteten Strafkommando im Außenlager Grossziegelwerk zugewiesen.

„Kopfschuss bei Fluchtversuch“ steht als Todesursache in der Sterbeurkunde

Einweihung Otto Meinecke Straße am Dortmunder U durch die Bezirksvertretung Innenstadt-West

Erinnerung an Otto Meinecke.

Dort trug er die Häftlingsnummer 42857 und galt als „BV 175“. Das Kürzel stand für einen homosexuellen Berufsverbrecher.

Nach einem Erlass des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, vom 12. Juli 1940 wurden homosexuelle Männer, die mehr als einen Mann „verführt“ hatten, als Berufsverbrecher in so genannte polizeiliche Vorbeugehaft genommen.

Aufgrund dieses Erlasses wurden homosexuelle Männer nach Verbüßen der Strafe in ein KZ verschleppt, wo sie meist zu Tode kamen.

Die Sterbeurkunde des Standesamtes Oranienburg nennt als Todesursache „Kopfschuss bei Fluchtversuch“. Dahinter verbarg  sich eine bei der SS beliebte Mordmethode: die KZ-Wachmannschaften inszenierten unter verschiedensten Vorwänden die gezielte Tötung von Gefangenen.

Im Sommer 1942 starben bei einer Mordaktion gegen Homosexuelle mindestens 95 namentlich bekannte Männer.

 

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