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Ausstellung „Onkel Hasan und die Generation der Enkel“ zieht für drei Monate komplett ins Haus der Vielfalt

Im Haus der Vielfalt wurde über die Zukunft der Ausstellung diskutiert.

Im Haus der Vielfalt wurde über die Zukunft der Ausstellung diskutiert. Fotos: Leopold Achilles

Von Susanne Schulte

Die viel gelobte, aber auch – wie die Selbstkritik lautete – verbesserungswürdige Ausstellung über die Einwanderer seit den 50er Jahren und die Generationen danach macht zwei Monate Pause.

Die Ausstellung wird ab 1.April vollständig ins Haus der Vielfalt zu sehen sein

Einen Dämpfer gab es von Jörg Stüdemann - Mondo Mio wird nicht die dauerhafte Heimat.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann

Ab dem 1. April sind die Geschichten und die Geschichte von „Onkel Hasan und die Generation der Enkel“ dann für drei Monate komplett im Haus der Vielfalt an der Beuthstraße zu sehen.

Wo sie dann eine Heimat findet, ist noch ungewiss.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann, der während der Veranstaltung zum vorläufigen Ende der Ausstellung mit auf dem Podium saß, machte ein wenig Hoffnung, dass sie danach im Haus von Mondo Mio im Westfalenpark einen dauerhaften Platz finden könnte.

Der Vortragssaal im Haus der Vielfalt war voll besetzt mit Gästen, die hören wollten, wie Experten der Museumslandschaft aus Nordrhein-Westfalen die Ausstellung beurteilen, wie die Ausstellung mit ihren vielen Begleitveranstaltungen angekommen ist.

7000 BesucherInnen sahen sich die zweigeteilte Ausstellung an

Die reinen Fakten gab’s von den Machern und Macherinnen als da sind: Kurator Michael Dückershoff, Leiter des Hoesch-Museums, wo der erste Teil der Ausstellung zu sehen war, Ümit Kosan, Neffe des Namensgebers der Ausstellung, Dr. Wilfried Kruse, ebenfalls Kurator, und die Prof. Dr. Angela Paul-Kohlhoff.

Ümit Kosan und Prof. Dr. Angela Paul-Kohlhoff..

Ümit Kosan und Prof. Dr. Angela Paul-Kohlhoff.

7000 Menschen informierten sich während der vergangenen sechs Monate, 54 Gruppen ließen sich führen „von der AWO bis zu pensionierten Gesamtschullehrern“ sowie 25 Schulklassen, 60 ZuhörerInnen im Schnitt kamen zu den Begleitveranstaltungen.

Drei Kritikpunkte an der Darstellung des Lebens der EinwanderInnen zählte Paul-Kohlhoff auf: Die Tamilen fühlten sich übergangen, ebenso wie die Menschen aus den osteuropäischen Länder.

Die Afrikaner fanden sich nur zum Teil wieder. Auch ihre eigene Kritik machte die Professorin deutlich: Die Frauen seien viel zu kurz gekommen in der Darstellung. Das habe sie von Anfang an bereits angemerkt, aber niemand sei ihr gefolgt.

Nun geht es darum, die Ausstellung nicht im Keller verschwinden zu lassen

Wilfried Kruse

Dr. Wilfried Kruse

Wilfried Kruse zog dann das Fazit aus Sicht des Veranstaltungsteams: „Die Ausstellung ist viel mehr als eine Erinnerungsausstellung. Sie stellt vielmehr die Frage: Wie wollen wir als Einwanderungsgesellschaft leben?“

Damit diese Frage nicht wieder vergessen wird, arbeiten schon heute Museen daran, die Geschichte der Einwanderung – was auch immer der Grund für die Migration war – in kommunale Ausstellungen unterzubringen. Doch das ist nicht einfach, weil das Geld fehlt.

Dr. Rainer Ohliger, Vorstand im Netzwerk Migration, Dietmar Osses vom Deutschen Museumsbund und Sandra Vacca von der Uni Köln fanden die Ausstellung „in einem Punkt sehr bemerkenswert“: der Sprung zu dritten Generation und die Zusammenarbeit mit den Frauen und Männern dieser dritten Generation.

Sie sei sehr erfrischend, vor allem weil man auch kritisch mit Begriffen umgegangen sei: So könne man nirgendwo das Wort Gastarbeiter lesen. Einig waren sich alle, dass das Thema in die Museen gehört, nicht als Sonderausstellung, sondern eben als Stadtgeschichte.

40 Angehörige des Namensgebers der Ausstellung wohnen noch in der Region

Hasan Kosan, der 1964 nach Deutschland kam und im Dezember 2012 in seinem Geburtsort starb.

Hasan Kosan kam 1964 nach Deutschland.

Stüdemann lobte dann noch mal ausgiebig: Er sprach „ein großes Kompliment an alle“ aus, es sei „eine wichtige Ausstellung, ein wichtiges Projekt“. Vor allem mit dem Wissen, dass es nicht viel Geld dafür gab.

Wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat, kann ab dem 1. April dieses nachholen. Im Haus der Vielfalt ist sie dann komplett zu sehen.

Sie zeigt, wie es Hasan Kosan und seiner Familie ging, als er 1964 nach Dortmund kam, um bei Hoesch zu arbeiten, wie die Familie sich eingelebt hat, wo die Schwierigkeiten lagen und liegen, wie die beiden nächsten Generationen der ersten EinwanderInnen das Leben in Dortmund empfinden und empfanden.

Viele Kosans sind geblieben. Gut 40 Familienmitglieder leben heute in und rund um Dortmund.

 

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