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Der anarchistische Buchladen „Black Pigeon“ will am 18. März eröffnen – Neonazis demonstrieren gegen den Vermieter

In der Scharnhorststraße soll der Kultur- und Buchladen „Black Pigeon“ entstehen.

In der Scharnhorststraße soll der Kultur- und Buchladen „Black Pigeon“ entstehen.

Am 18. März soll der anarchistische Buchladen „Black Pigeon“ in der Nordstadt eröffnen – allen Anfeindungen der Neonazis zum Trotz. Dies haben die Mieter auch ihrem Vermieter „Schneider Immobilien“ mitgeteilt.

Neonazis demonstrieren Mittwoch vor dem Büro des Vermieters

Fotokünstler Hendrik Müller und Sascha Bender von „Black Pigeon“ vor der zerstörten Glasfront.

Fotokünstler Hendrik Müller und Sascha Bender von „Black Pigeon“ vor der zerstörten Glasfront.

Dieser hatte darauf gehofft, dass die Aktiven des Buchladens sowie Fotokünstler Hendrik Müller von ihrem Mietvertrag zurücktreten würden.

Doch diesen Gefallen tun ihm seine Mieter nicht. „Schneider will nun seine Möglichkeiten prüfen – was immer das heißen mag“, berichtet Müller von dem kurzen Gespräch.

Die Neonazis möchten weiter den Druck erhöhen und haben für Mittwoch um 11 Uhr zu einer Mahnwache vor dem Büro der Vermieters in der Hamburger Straße 50 aufgerufen. Diese werden sie aber nicht unmittelbar vor der Tür, sondern gegenüber abhalten können.

Ob dies zu einer Beschleunigung einer möglichen Kündigung oder zu einem Umdenken führen wird, ist offen. Vermutlich wird die Firma nun nach Aktivitäten suchen, die nicht mit dem Mietvertrag in Einklang stehen, um dann über Abmahnung und fristlose Kündigung einen Hebel zu finden.

Aber das ist – bisher – noch Spekulation. „Er will sich in den nächsten Tagen bei uns melden“, berichtet Sascha Bender von „Black Pigeon“.

Gute Nachricht für die neuen Mieter: Die Heizung im Laden wird jetzt repariert

Die defekte Gastherme macht den neuen Mietern zu schaffen.

Die defekte Gastherme wird derzeit repariert.

Klar ist lediglich, dass Schneider nun erst mal seiner Aufgabe als Eigentümer nachkommt und die defekte Gastherme reparieren lässt.

Die neuen Mieter hoffen, dann in Kürze ihre kalten und feuchten Räume heizen zu können. Dort laufen die Renovierungsarbeiten weiter auf Hochtouren.

Denn Schneider – er möchte die Geschehnisse derzeit nicht kommentieren – sieht sich verstärktem Druck auch von anderer Seite ausgesetzt. Von Freunden und Nachbarn, aber auch aus der Stadtgesellschaft gibt es immer mehr Zuspruch und Unterstützung für das Projekt in der Scharnhorststraße 50.

Unterstützung von Grünen und Piraten für die Aktivisten in der Nordstadt

In der Scharnhorststraße soll der Kultur- und Buchladen „Black Pigeon“ entstehen.

In der Scharnhorststraße soll der Kultur- und Buchladen „Black Pigeon“ entstehen.

„Ich hoffe, dass der demokratische Teil der Politik, Wirtschaftsförderung, IHK, Immobilien Schneider, Stadtgesellschaft und generell gesellschaftliche Institutionen dazu eine klare Haltung zeigen und öffentlich gegen Nazis, Einschüchterung und Hass und für Vielfalt und Weltoffenheit eintreten“, kommentiert David Grade, Bezirksvertreter der Piraten, den Vorgang. „Danke an Black Pigeon und Hendrik Müller, dass ihr weiter macht und mutig seid.“

Auch die Dortmunder Grünen fordern ein deutliches Zeichen der Stadtspitze und der Polizei gegen die Drohungen und Einschüchterungsversuche der Dortmunder Nazis gegen den Vermieter.

„Die Bedrohungen andersdenkender Personen ist keine neue Strategie. Die aktuellen Ereignisse haben aber ein neues Bedrohungspotential. Jetzt versuchen die Nazis mit Einschüchterungen und Drohungen auch Einfluss darauf zu nehmen, wer an wen vermieten darf“, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben von Partei und Fraktion.

Grüne fühlen sich Nazi-Aktionen in der Weimarer Republik erinnert

Fotokünstler Hendrik Müller möchte sich im hinteren Teil des Ladens ein Fotostudio einrichten.

Fotokünstler Hendrik Müller möchte sich im hinteren Teil des Ladens ein Fotostudio einrichten.

Die Grünen fühlen sich  an den Nazi-Terror von SA und SS in den 20er und 30er Jahren erinnert: „Die gesamte Stadt steht in der Verantwortung, hier ein klares Zeichen zu setzen.“

„Wir würden es begrüßen, wenn der Oberbürgermeister und der Polizeipräsident sehr klar machen, dass in Dortmund nicht die Nazis bestimmen, wer wo und wann in ein Haus ziehen darf“, heißt es in der Erklärung.

„Sowohl der Vermieter der Immobilie als auch die Mieter brauchen jetzt deutliche Zeichen, dass in Dortmund demokratische Grundwerte gelten und sich niemand dem Druck der Nazis beugen muss. Die Auflösung des Mietvertrags aufgrund der Bedrohungen der Nazis wäre ein fatales Zeichen.“

Stadt führt derzeit bereits Gespräche hinter den Kulissen

Die Stadt möchte sich zu dem Vorgang derzeit nicht öffentlich äußern. Es müsse erst Gespräche mit allen Beteiligten geben, aber auch mit Polizei und Staatsschutz.

Vorher werde öffentlich nichts gesagt, gab sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau zugeknöpft. Allerdings macht er aus seiner nazikritischen Position keinen Hehl: „Es wäre für alle besser, nicht zu kündigen.“

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