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„Laut, schrill, pompös und einfach dada“: Veranstaltungsreihe feiert den 100. Geburtstag der Kunstbewegung Dadaismus

100 Jahre Dadaismus. Veranstaltungsreihe DADADO100. Sie sind ganz schön DADA: Das Projektteam DADADO 100 mit Richard Ortmann, Dieter Gawol und Anette Göke

Das Projektteam DADADO 100 mit Richard Ortmann, Dieter Gawol und Anette Göke. Fotos: Klaus Hartmann

„Auf den Telegraphenstangen sitzen die Kühe und spielen Schach. So melancholisch singt der Kakadu unter den Röcken der spanischen Tänzerin wie ein Stabstrompeter und die Kanonen jammern den ganzen Tag“, schrieb Richard Huelsenbeck, 1916 in Zürich, wohin der Kriegsdienstverweigerer während des Ersten Weltkriegs geflüchtet war. Im legendären Cabaret Voltaire in Zürich gründete der Pazifist Huelsenbeck zusammen mit Gleichgesinnten die Kunstrichtung Dadaismus. Seine Jugend verbracht der Ur-DADA und bedeutende Chronist der Bewegung in Dortmund. Sein Grab befindet sich auf dem Südwestfriedhof der Stadt.

Anette Göke: „Dada ist die freieste und kreativste Art Kunst zu machen“

!00 Jahre Dadaismus. Plakat zur Veranstaltungsreihe DADADO100. Grafik :Heike Kollakowski

Das Plakat zur Reihe. Grafik: Heike Kollakowski

„Der Dadaismus ist eine internationale revolutionäre Kunst- und Literaturrichtung, die jegliches künstlerisches Ideal negiert und absolute Freiheit der künstlerischen Produktion sowie einen konsequenten Irrationalismus in der Kunst proklamiert“, schreibt der Duden.

„Dada ist die freieste und kreativste Art Kunst zu machen“, sagt Anette Göke, die zusammen mit ihrem Kunstkollegen Dieter Gawol aus der Kunst-Domäne in der Schillerstraße und dem Musiker Richard Ortmann von Schwarz-Rot Atemgold 09 , das Projekt DADADO100 federführend für die Kulturmeile Nordstadt veranstalten.

20 Veranstaltung an 100 Tagen feiern Dada

In Anette Gökes Kunstprojekt, „Wo geht Kunst?“, wird der DADA schon seit einiger Zeit von Kindern aus der Nordstadt praktiziert. „Das ist ja total bekloppt, das machen ja nur kleine Kinder“, waren die ersten Reaktionen.

Mittlerweile genießen die jungen Künstler, die Freiheiten die ihnen der Dadaismus bietet, berichtet Göke. Zum 100. Geburtstages der Kunstrichtung DADAISMUS soll die DADA-Bewegung in Dortmund an 100 Tagen gewürdigt werden.

Gut zwanzig Veranstaltungen finden in der Zeit vom 21. April bis zum 29. Juli 2016 an verschiedenen Kulturorten statt. Am 21. April wird DADADO100 mit einem Symposium im Evinger Schloss feierlich eröffnet.

Eine Trauer-Lust-Zeremonie auf dem Südwest-Friedhof ehrt den Ur-DADA Richard Huelsenbeck

100 Jahre Dadaismus. Veranstaltungsreihe DADADO100. Das Hülsenherz wird am 23. April reanimiert

Das Hülsenherz wird am 23. April reanimiert.

Erster Höhepunkt wird am 23. April, zum 125. Geburtstag Richard Huelsenbecks (23.04.1892 – 20.04.1974), eine besondere Trauer-Lust-Zeremonie auf dem Südwest-Friedhof sein.

Begleitet von der Bläserformation Schwarz-Rot Atemgold 09 defiliert die Trauer-Lust-Gemeinde am Grab Huelsenbecks vorbei.

Ebenfalls wird dem – vor zwei Jahren verstorbenen – Dortmunder Aktivisten und Dadaisten Jürgen „Kalle“ Wiersch, der auch auf dem Friedhof seine Ruhestätte hat, gedacht. Nachdem dort das dadaistische „Exlebiment“, die Reanimierung des Hülsenherzes vollzogen wird, findet eine Prozession zur Pauluskirche in der Nordstadt statt.

Den skurrilen Marsch begleiten dann auch wieder Bassklarinette, Trichterflöte und vielleicht das Schrottophon, „ein Schlaginstrument aus Dingen dich nicht mehr gebraucht werden“, erklärt Musiker Richard Ortmann.

Im Jahre 1991 begleiteten diese ungewöhnlichen Instrumente schon einmal eine Aktion auf dem Südwest-Friedhof. Seinerzeit sollte Huelsenbecks Grabstätte eingeebnet werden, was die Dortmunder DADA-Sympathisanten erfolgreich verhinderten konnten.

Am gleichen Abend wird in der Kultur-Kirche die Veranstaltungsreihe unter dem Titel „DADA DO 100“ laut, schrill, pompös und einfach dada“, fortgesetzt.

Mehr Infos zu DADADO100 auf: www.dadado100.de

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2 Gedanken über “„Laut, schrill, pompös und einfach dada“: Veranstaltungsreihe feiert den 100. Geburtstag der Kunstbewegung Dadaismus
  1. Historischer Verein

    Lesung zu 100 Jahre DADA: Nerven am Rande des Weltzusammenbruchs

    Die Künstlerbewegung DADA wird in diesem Jahr 100. Mit einer Lesung aus seinem Buch „Nerven am Rande des Weltzusammenbruchs. 100 Jahre DADA“ erinnert Autor Martin Mittelmeier am Mittwoch, 13. April, 19 Uhr im Stadtarchiv (Märkische Straße 14) an diese Zeit. Die Lesung und das anschließende Gespräch sind kostenlos.

    Februar 1916, mitten im Krieg im neutralen Zürich: Eine kleine Gruppe von Künstlern, Literaten und Theaterleuten gründet das Cabaret Voltaire, in dem sich alsbald Unerhörtes abspielt. Hugo Ball zwängt sich in ein obeliskenartiges Kostüm und singt sinnlose Lautverse, der in Dortmund aufgewachsene Richard Huelsenbeck trommelt erfundene „Negerlieder“, und Tristan Tzara dirigiert eine Kakophonie aus simultanem Gebrüll. DADA ist geboren und infiziert von Zürich aus die ganze Welt.

    Der Charakter von DADA ändert sich mit jedem Ort, denn die Dadaisten sind entschlossen, aus DADA kein neues Programm zu machen. Deswegen ist DADA rasch wieder vorbei. Aber es wirkt bis heute nach. Dr. Michael Mittelmeier hat ein neues Hausbuch zu DADA geschrieben. Er ist seit 2014 als freier Lektor und Autor tätig. Der promovierte Komparatist hat vielfach zu Themen der Philologie und Philosophie publiziert.
    Kooperationspartner der Veranstaltung ist der Historische Verein Dortmund.

  2. Bodo

    Letztere Lockerung – 100 Jahre Dada. Und nun?

    Dieses Jahr feiert die Kunstform des Dadaismus weltweit ihr 100-jähriges Jubiläum und macht auch vor dem bodo Buchladen nicht halt. Am 8. April laden bodo und die DADAinen zu einer szenischen Lesung und zur „Letzten Lockerung“ ein.

    Anfang 1916 eröffnete Hugo Ball in Zürich das „Cabaret Volaire“ und schuf mit ihm den Dadaismus, eine der wohl einflussreichsten und zugleich provokantesten Kunstformen des 20. Jahrhunderts. Bis in die 1920er Jahre lehnte sich eine über Berlin bis nach New York reichende Künstlergemeinschaft gegen die herrschende bürgerliche Konvention und ihre Auswüchse – besonders gegen den Krieg – auf. „Lust ist der einzige Schwindel, dem ich Dauer wünsche!“ fordert Walter Serner 1918 in seinem Dada-Manifest „Letzte Lockerung“.

    Dass die Einflüsse des Dadaismus auch bis heute noch nachklingen, zeigt der große Aufwand, mit dem sein hundertster Geburtstag dieses Jahr international zelebriert wird – auch bei bodo. Das Dortmunder Künstlerinnen-Kollektiv der DADAinen knüpft an den Geist des Dadaismus an und fragt in einer szenischen Lesung zwischen Zahlen und Zufall, dem Nichts und der Wurst: „Was ist Dada? Und wie dada ist unsere Gegenwart?“

    Fr. 8.4., 19.30 Uhr, bodo Buchladen

    Schwanenwall 36 – 38, Dortmund

    Eintritt frei, Spenden willkommen

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