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40 Jahre AWO-Familienberatung in Dortmund: Erfolgreiche Arbeit am Puls des Lebens und der Gesellschaft

Insgesamt 12 Beschäftigte hat die Beratungsstelle - es ist die landesweit zweitgrößte Schwangerschaftsberatungsstelle.

Insgesamt zwölf Beschäftigte hat das Team – es ist die landesweit zweitgrößte AWO-Schwangerschaftsberatungsstelle.

Von Alexander Völkel

In Jahrzehnten verändern sich Leben und Gesellschaft. Dies spiegelt sich in der Arbeit der Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte, Familienplanung und Paar- und Lebensprobleme wider, die jetzt ihr 40-jähriges Bestehen beging.

Vor 40 Jahren Start mit drei Beschäftigten in der Nordstadt

Seit 1976 gibt es in Deutschland die gesetzliche Regelung zum straffreien Schwangerschaftsabbruch. 1977 nahm die AWO Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle als eine der wenigen kombinierten Beratungsstellen, mit einer Paar- und Lebensberatung ihre Arbeit auf.

Eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin und eine Sekretärin bildeten die Mannschaft in der Nordstadt auf der Gneisenaustraße. Es wurde schnell erweitert. Entsprechend der Zunahme der Aufgaben und Fragestellungen wuchs das Team weiter. Mittlerweile besteht die Beratungsstelle in der Klosterstraße in der City aus zwölf engagierten Menschen. Sie ist damit die zweitgrößte Schwangerschaftsberatungsstelle der AWO in NRW. Es finden ca. 2000 Beratungen im Jahr statt.

Das Team der AWO-Beratungsstelle hat in den vergangenen vier Jahrzehnten stets auf wesentliche gesellschaftliche Themen geantwortet: Zum Beispiel auf die Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch, auf den wachsenden Wunsch und Bedarf nach sexueller Bildung und AIDS-Prävention seit den 1980er Jahren.

Reproduktionsmedizin und Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Themen

Berichterstattung aus 40 Jahren gaben Einblicke in die Arbeit der Beratungsstelle.

Berichterstattung aus 40 Jahren gaben Einblicke in die Arbeit der Beratungsstelle. Fotos: Alex Völkel

Reagieren mussten die Berater*innen fortwährend gesetzliche Veränderungen, die schwangere Frauen, werdende Mütter oder Eltern und Familienplanung betrafen. Aber auf die Fortschritte der Medizin – sei das im Rahmen der Verhütung, hinsichtlich des medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs oder der wachsenden Möglichkeiten in der Reproduktionsmedizin – haben sie im Blick.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, befristete Arbeitsverhältnisse schwangerer Frauen, das EU-Gesetz zur (sexuellen) Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung, die Veränderung von Familienstrukturen, Migration und Flucht, Konflikte in der Partnerschaft und der Wunsch von jungen Müttern nach Kontakt prägen u.a. die vielschichtige Beratungsarbeit.

Mit einer Internationalen Mädchen-/Frauengruppe, zwei Elterntreffs, dem „Turbo“-Angebot für männliche Flüchtlinge, der Familienhebamme und der Kinderwunschberatung geht die „Beratung“ zu den Menschen.

Wertschätzung und Offenheit als Schlüssel zum Zugang zu den Klient*innen

Nicht verändert hat sich die Haltung der Mitarbeiter*innen: Sie gehen unvoreingenommen und offen auf sämtliche Anfragen ein, unabhängig von ideologischen oder religiösen „Vorab“-Bewertungen, politischen Interessen oder finanziellen Möglichkeiten.

„Unseren Klientinnen und Klienten begegnen wir mit Wertschätzung, großem Engagement, Warmherzigkeit und Kongruenz vor dem Hintergrund eines Menschenbildes, in dem in jeden Menschen das Vertrauen gelegt wird, seinen Lebensweg eigenverantwortlich finden und gestalten zu können und auch zu dürfen“, heißt es in der Selbstverpflichtung.

Die Beratungsstelle richtet dabei einen speziellen Fokus auf die Unterstützung von Menschen, die aufgrund von Bildung, Kultur, sozialem Status, Geschlecht, sexueller Orientierung oder körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen gesellschaftliche Benachteiligung erfahren und bietet Rat und Hilfe in einem geschützten Rahmen.

Die Einrichtung hat sich zu einer etablierten, multiprofessionell arbeitenden und vielfältig vernetzten Beratungseinrichtung entwickelt, die aus der sozialen Versorgungslandschaft Dortmunds und Umgebung nicht mehr wegzudenken ist.

Abschied von Einrichtungsleiterin Eugenie Alfert-Hörner – Nachfolgerin ist Bärbel Nellissen

Eugenie Alfert-Hörner geht in den Ruhestand und legt die Leitung in die Hände von Bärbel Nellissen.

Eugenie Alfert-Hörner geht in den Ruhestand und legt die Leitung in die Hände von Bärbel Nellissen.

Dies zeigte sich auch bei der Jubiläumsveranstaltung: Im AWO-StadtZentrum in der Klosterstraße kamen frühere und heutige Wegbegleiter*innen und Kooperationspartner*innen zusammen, um den Anlass gebührend zu begehen.

Im Anschluss an den Fachtag wurde die langjährige Leiterin der Beratungsstelle, Eugenie Alfert-Hörner, in den Ruhestand verabschiedet. Nach 23 Jahren im Team – davon 15 Jahre als Leitung – blickt sie zufrieden auf die gute Arbeit ihrer Mannschaft zurück.

Das afrikanische Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“ werde hier aktiv gelebt. Die Zusammenarbeit innerhalb der AWO, aber auch in der Stadtgesellschaft, sei hervorragend. Doch nicht immer konnte Eugenie Alfert-Hörner helfen. „Schwangerschaftsabbrüche, die durchgeführt werden, weil Frauen einen befristeten Arbeitsvertrag haben und ihren Arbeitsplatz verlieren würden“, treiben die scheidende Leiterin um. Ebenso wie „Gesetzgebungen, die letztlich Frauen und Familien benachteiligen“.

Die Arbeit legt sie in bewährte Hände: Bärbel Nellissen – Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin – tritt ihre Nachfolge an. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Team und schon seit 15 Jahren stellvertretende Leitung. Sie wird sich den neuen Herausforderungen stellen müssen. Vor allem die Weiterentwicklung der Reproduktionsmedizin und die daraus entstehenden Herausforderungen, Fragen und Formen des Lebens sind Zukunftsthemen. Aber auch die soziale gesellschaftliche Entwicklung, in der viele trotz Vollzeitbeschäftigung ergänzend auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, werden sie weiter begleiten.

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