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Kunst gegen Nazis: Aktionskünstler machen irritierte Rechtsextremisten in Dorstfeld zu unfreiwilligen Statisten

Die Aktionskünstler machten die Neonazis direkt vor deren Haustür zu unfreiwilligen Komparsen.

Die Aktionskünstler machten die Neonazis direkt vor deren Haustür zu unfreiwilligen Komparsen.

Es ist eine ungewöhnliche Zeitreise von fünf Philosophen. Menschen aus dem Jahr 2099 haben sich nach Dortmund begeben, um sich auf die Suche nach der Neonazi-Gefahr zu machen und die Mitmenschen der damaligen Zeit vor diesem Übel zu warnen.

Aktionskünstler machten auf die Suche nach dem „Nazi-Nest“ in Dorstfeld

Vergeblich machten sich die Zeitreisenden auf die Suche nach einem „SS-Siggi“.

Vergeblich machten sich die Zeitreisenden auf die Suche nach einem „SS-Siggi“. Fotos: Alex Völkel

In der Emscherstraße 2 in Dorstfeld – einem WG-Haus, in dem eine ganze Reihe Neonazis – darunter auch „Die Rechte“-Ratsherr Michael Brück  – wohnt, wurden sie fündig.

Nach und nach trollten sich auch die Neonazis vor die Tür und wurden so unfreiwilliger Bestandteil einer Performance-Aktion des „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS).

Die „Zeitreisenden“ – unter fachkundiger Reiseleitung des Dortmunder Journalisten Marcus Arndt – sahen sich beim „Nest“ um. Auch suchten sie das Gespräch. Allerdings gaben sich die Neonazis ungewohnt wortkarg.

Und auch fehlte von einem gewissen „SS-Siggi“ jede Spur – auch die Anwohner wussten keine Hinweise zu dessen Aufenthaltsort zu geben.

Schwer bewaffnetes Zeitreise-Team will Bevölkerung aufrütteln

Nur schwer bewaffnet machten sich die Zeitreisenden auf die Suche nach den Nazis aus dem Jahre 2015.

Nur schwer bewaffnet machten sich die Zeitreisenden auf die Suche nach den Nazis aus dem Jahre 2015.

Das Team aus der Zukunft – schwer bewaffnet mit Pistolen. Äxten und automatischen Waffen – machte sich sogleich daran, die „Einheimischen“ – das werden die Theaterbesucher sein – zu warnen.

Die Gäste aus der Zukunft wissen, dass die Menschheit im Jahr 2015 noch in der Lage ist. dass Ruder herumzureißen. Denn die „Großen Katastrophen“ der Jahre 2029 bis 2034 sind abzuwenden und jedes menschliche Leid wäre noch zu lindern.

Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Es geht darum, die Betrachterinnen und Betrachter aus der eigenen Agonie zu reißen. „Es ist zu leicht, sich das Heft des Handelns aus der Hand nehmen zu lassen“, macht das Team deutlich. „Wir dürfen nicht den Strukturen von Angst und Bedrohung erliegen.“

Innovative Inkubatoren politischer Aktionskunst machen erstmals ein Bühnenstück

Die Aktionskünstler machten die Neonazis direkt vor deren Haustür zu unfreiwilligen Komparsen.

Die Aktionskünstler machten die Neonazis direkt vor deren Haustür zu unfreiwilligen Komparsen.

Das „Zentrum für Politische Schönheit“ gehört zu den innovativsten Inkubatoren politischer Aktionskunst. Es versteht sich als Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit.

Ihre Aktionen finden bisher im öffentlichen Raum, im Netz und diversen Medien statt. Doch die Uraufführung von „2099“ führt auf die Bühne des Dortmunder Schauspielhauses. Dort wird das Team erstmals Regie führen. Premiere ist am 19. September.

Neonazis werden auch im Theater erscheinen – zumindest auf der Leinwand

Dort werden auch die Dortmunder Neonazis wieder erscheinen – allerdings nur auf der Leinwand. Die unfreiwilligen Komparsen hielten sich beim Drehen vor ihrer Haustür auffallend zurück.

Die zahlreichen Kameraleute und Medienvertreter  – auch das Theater hatte Filmleute dabei – wurden weder gestört noch  attackiert. Und dass,  obwohl nach und nach auch alarmierte Neonazis und selbst ernannte Stadtschützer hinzukamen, die sich sonst gerne an der „Lügenpresse“ abarbeiten.

Allerdings wirkte das Großaufgebot der Polizei, die die Dreharbeiten des Theaterteams schützten, offenbar einschüchternd. Deshalb flogen auch nicht – wie bei früheren Journalistenbesuchen von auswärtigen Filmteams – Böller.

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2 Gedanken über “Kunst gegen Nazis: Aktionskünstler machen irritierte Rechtsextremisten in Dorstfeld zu unfreiwilligen Statisten
  1. Ula Richter (Bündnis gegen Rechts)

    Bündnis gegen Rechts fordert ein Verbot von „Die Rechte“ und der NPD

    Die Partei „Die Rechte“ hat in Dortmund seit Monaten jede Woche eine andere Flüchtlingsunterkunft bedroht. Aus Dortmund bietet jetzt der Nazi-Versand „Antisem.it“ bundesweit Waffen – Sturmhauben, Pfefferspray, Steinschleudern („50 Stahlkugeln gratis dazu“) an: „… Den Heidenau-Rabatt nutzen – schlagt zu!“

    Nicht nur in Heidenau agieren ihre Gesinnungsgenossen von der NPD und ein rassistischer Mob volksverhetzend und Angst machend. Nach zahlreichen Brandanschlägen auf noch unbewohnte Unterkünfte ist gestern auch ein bewohntes Flüchtlingsheim Ziel eines Brandanschlages geworden.

    In dieser Situation nützen keine Sonntagsreden und inszenierten ‚Dialoge‘, kein Streicheln traumatisierter Kinder, kein Schimpfen auf „das Pack“ und auch keine Falschaussagen wie „Keine Toleranz gegenüber Rechtsextremen“ vor laufenden Kameras. Jede Rede von „wehrhafter Demokratie“ bleibt zynisch, solange den volksverhetzenden Straftaten kein Ende gesetzt wird – die Antidemokraten führen diese Demokratie vor.
    Notwendig ist das Verfolgen und Bestrafen jeder einzelnen Straftat der kriminellen und volksverhetzenden Vereinigungen!

    Notwendig ist das Verbot der Parteien NPD und „Die Rechte“ und ähnlicher Organisationen! Ihnen müssen die Tribüne der Parlamente und die hohen staatlichen Zuwendungen, die daraus folgen, entzogen werden.

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